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Samstag, 3. Oktober 2009

Von Riobamba ins Land der Wolkenkrieger

Weiter sind wir auf der Straße der Vulkane unterwegs. Unsere Augen wissen bald nicht mehr wohin sie zuerst schauen sollen, so wunderschön ist die Landschaft. Schwer ist es, das alles in ein Bild zu fassen. Leider haben wir eine Menge Baustellen unterwegs und in dem kleinen Weiler Saraguro müssen wir von der Panamericana runter und durch das enge Ortszentrum rumpeln. Wir hoffen dabei einen Blick auf die Saraguros erhaschen zu können, die für ihre besonderen Trachten bekannt sind. Sie stammen ursprünglich aus der Region des Titikakasees und wurden von den Inkas hierher verschleppt. Daher unterscheiden sie sich in ihrer Kleidung gänzlich von den anderen Bewohnern der Gegend. Jedoch wirkt der Ort wie ausgestorben. Kurz darauf wissen wir auch warum, wir stehen still und das über eine Stunde lang. Zuerst nehmen wir noch an, dass es wegen der Baustelle ist. Irgendwann steige ich aus dem WoMo und frage nach: Ein Paro (Streik). Lautstark rufen Streikenden Parolen und schießen Feuerwerkskörper ab. Außerdem brennen wie immer in solchen Situationen Autoreifen auf der Straße. Pünktlich um 12.00 Uhr ist der Streik zu Ende. Alle gehen zum Mittagessen und wir können weiter fahren. Unser Zeitplan ist mal wieder dahin und wir kommen später als geplant in Cuenca an. An den Cabañas Yannuncay werden wir von Humberto wieder herzlich aufgenommen. Zwar ist Cuenca eine sehr schöne Stadt, doch wir kennen sie ja schon zu genüge. So beschließen wir am nächsten Morgen, endlich neue Wege zu beschreiten und verzichten auf einen weiteren Aufenthalt. Hinter Loja verlassen wir die Panamericana und fahren Richtung Podocarpus Nationalpark bis Vilcabamba. An der Hosteria Izhcayluma mit seinen deutschen Besitzern finden wir einen Übernachtungsplatz mit traumhafter Aussicht auf Vilcabamba und seine Umgebung. Das Dorf selber war etwas enttäuschend, hier ist nur wirklich schön für Wanderer. Nicht nur der Anblick der Amarilis
  sondern der, der gesamten Anlage lässt uns verleiten 2 Nächte zu bleiben und so ganz nebenbei noch eine wunderbare Massage zu genießen.
Die können wir auch dringend gebrauchen bei dem, was jetzt auf uns zukommt. Noch 20 Kilometer Asphalt und dann150 Kilometer Piste der übelsten Art. Jedoch hat uns Peter, der Hotelier mehrmals versichert, dass wir sie auch ohne Vierradantrieb befahren können. Allerdings nur, wenn es nicht regnet. Jetzt folgt das volle Programm. Zuerst Staubpiste vom Feinsten, zwischen unseren Zähnen knirscht es schon nach wenigen Kilometern, da hilft auch kein Abkleben der Lüftungen. Dann wieder mal ein längerer Halt, die Straße wird gerade erneuert. Fassungslos schauen wir auf die Strecke, die wir nach einer ¾ Stunde Wartezeit befahren sollen. Jedoch irgendwie schaffen wir es.
  Dann fängt es zu unserer weiteren Erbauung auch noch an zu regnen. Genau das können wir überhaupt nicht mehr brauchen. Wir sind immerhin auf Lehmpiste unterwegs und müssen vier Pässe bewältigen, die alle über 3.400 Meter Höhe sind. Bernd tröstet mich mit dem coolen Spruch: Wenigstens staubt es nicht mehr. Manchmal könnte ich den Fahrer ermorden. So ganz nebenbei durchfahren wir immer wieder kleine oder größere Bachbette. Die Orte am Wegesrand wie z.B. Valladolid, Palanda und Zumba sind hässlich und regelrecht erbärmlich.
Wenigstens die Landschaft ist schön, auch wenn wir vor lauter Konzentration auf die Fahrspur kaum einen Blick dafür haben.
Sage und schreibe sieben Stunden haben wir für die 170 Kilometer gebraucht und kommen fix und alle in La Balsa, der Grenzstation zu Peru an. Jetzt steht uns noch eine Nagelprobe bevor. Was machen die Ecuadorianer mit unserer temporären Importation für Burro? Zuerst drehen und wenden sie das Schreiben, dann fragen sie nach dem vorgeschriebenen Vordruck. Wir bitten den Grenzbeamten mehrmals doch bitte das Schreiben zu lesen. Endlich liest er es durch, holt dann einen Kollegen, der liest es auch und kommt dann zu dem Ergebnis, dass alles seine Ordnung hat. Wir bekommen Stempel und Unterschrift auf unsere Ausfertigung und sind aus Ecuador entlassen. Puh, wir haben es geschafft!!! Wenige Meter weiter führt eine Brücke über den Grenzfluss Río Blanco. Die ist noch gar nicht lange fertig, denn nach dem Grenzkrieg zwischen Peru und Ecuador war hier nur ein Personenübergang und man musste mit einem Floß übersetzen. Die Brücke und die Grenzstation sind noch auf keiner Landkarte verzeichnet. Die Zollbeamten machen Mittagspause und bis 15.00 Uhr hat die liebe Seele Ruh. Da wir aber die Einzigen sind, die hier rüber wollen, geht der Formularkrieg danach recht unproblematisch von statten. Während Bernd mit den Kontrolleuren im WoMo beschäftigt ist, muss ich noch Stempel von der Polizei einholen. Der freundliche Polizist stempelt die Formulare ohne Bernd überhaupt gesehen zu haben. Er interessiert sich mehr für die Frage, warum wir wohl keine Kinder haben. Das gibt einen längeren Disput und ich beschließe in Zukunft drei Kinder und fünf Enkel zu haben. Mal sehen ob wir dann schneller sind. Endlich sind alle Hürden genommen, wir in Peru eingereist und die Zöllner können weiter schlafen.
  Wer nun meint, ab jetzt würde die Straße besser, der unterliegt einem fatalen Irrtum. Im Gegenteil, in Punkto Piste mit Löchern und steilen Bachdurchfahrten können die Peruaner die Ecuadorianer noch toppen. So geben wir den Plan auf, heute noch bis San Ignacio zu fahren und sind sehr erfreut, nach wenigen Kilometern die Hosteria Los Aureles zu entdecken. Dort dürfen wir bleiben und genießen die absolut ruhige Umgebung. Außer Kühen, Maultieren und wenigen Menschen spielt sich hier nichts ab. Am nächsten Morgen stehen weitere 110 Kilometer Piste auf dem Programm. Wir passieren Namballe und San Ignacio. Ab hier sollte die Straße in gutem Zustand sein, doch das muss in einem anderen Leben gewesen sein. Nach gut vier Stunden Fahrt sehen wir neben der Piste eine Ausbuchtung und freuen uns auf eine Mittagspause. Kaum haben wir das Fenster geöffnet und den Tisch gedeckt, taucht aus dem Nichts ein bewaffneter Mann auf und schaut zum Fenster hinein. Vor Schreck wäre uns beinahe das Besteck aus der Hand gefallen. Doch er ist freundlich und fragt nur, ob wir müde sind. Wir sollen uns von ihm nicht stören lasen. Kurz darauf erscheint ein zweiter Mann und beide stellen sich demonstrativ vor unserem WoMo auf. Mir wird das zuviel und ich frage, ob wir irgendetwas zu befürchten haben. Nein haben wir nicht. Hier sind schlechte Leute unterwegs, Banditen. Jedoch sie sind ja da und bewachen uns jetzt, bis wir mit unserer Pause fertig sind. Als wir ihnen etwas zu essen anbieten, greifen sie erfreut zu. Also versorgen wir unsere „Beschützer“ (auf ihren Shirts steht Kämpfer fürs Vaterland) mit Nudeln, Tomatensoße, Salat, Kaffee und Mineralwasser. Sogar zu einem Foto sind sie noch bereit. Wenn wir das in Kolumbien erlebt hätten, wären wir nicht verwundert gewesen. Jedoch in Peru ist das für uns absolut neu.
Vier Kilometer später war dann endlich die Asphaltstraße erreicht und wir genossen die Ruhe im WoMo. Kein Geklappere und Gescheppere mehr, unsere Ohren konnten sich endlich etwas vom Lärm der letzten Tage erholen. Wir passierten die Großstadt Jaen und dann nach weiteren 50 Kilometern in Bagua Grande kam das Aus. Zunächst wunderten wir uns nur über die vielen LKW´s die hier mitten auf der Straße standen. Bernd überholte alle und dann schauten wir entgeistert auf ein Schild. Wegen Bauarbeiten ist die Straße von 6.00 Uhr morgens bis 18.00 Uhr abends gesperrt.
Es bleib uns also nichts weiteres übrig, als uns in der Nebenstraße zwischen den Bussen einzuordnen und zu warten. Die LKW Fahrer nahmen es gelassen und nutzten die Zeit für ein Schläfchen, würde es ja eine lange Nacht für sie werden.
  Dann um 17.30 Uhr brach der Krieg aus. Die Motoren wurden angeworfen und alles drängelte an die Absperrung. Straßenspuren gab es keine mehr. Jeder hupte, drängelte und fuhr so weit nach vorne wie es nur eben möglich (oder eigentlich nicht mehr möglich) war. Wer hier bremste hatte verloren. Die Polizei hatte keine Gewallt mehr über die Menge. Um Punkt 18.00 Uhr wurde die Sperre aufgehoben und dann ging das Gerase los. Wohlgemerkt um18.00 Uhr ist es hier dunkel. Dreispurig fahren, bei ja nur zwei Spuren vollkommen normal. Überholen trotz Gegenverkehr auch normal. Die PKW´s versuchten um jeden Preis an den LKW´s vorbei zu kommen und das obwohl die Straße ja unbeleuchtete Baustelle war und nur aus Piste, Behelfsbrücken usw. bestand. 65 Kilometer Höllenfahrt und wir mittendrin. Es gab ein paar Ortsdurchfahrten mit Menschen und Tieren auf der Straße. Hier galt nur noch rette sich wer kann. Nach zwei Stunden war Pedro Ruiz und das Ende der Baustelle erreicht. Wie zum Hohn gab es eine Mautstelle und wir mussten auch noch Straßengebühr bezahlten. Kurz darauf erblickten wir eine Tankstelle die 24 Stunden geöffnet hat , dann nur noch das Bett runter und sofort sind wir in tiefen Schlaf gefallen. Am nächsten Morgen stand der erste Höhepunkt in Peru auf dem Programm, Kuélap eine Festungsanlage der Chachapoyas, neben Machupicchu die zweite überragenden archäologische Sehenswürdigkeit Perus und dabei fast unbekannt. Wegen der mühseligen Anreise schrecken viele vor dem Besuch zurück und während der Regenzeit ist die Stätte wegen Abrutschgefahr auf dem Zufahrtsweg fast nicht zu erreichen. Das war der Grund weshalb wir uns einen so engen Zeitrahmen gesetzt hatten, die Regenzeit beginnt hier im Oktober. Zunächst also mussten wir uns Richtung Chachapoyas halten um12 Kilometer vor dem Ort die Asphaltstrasse zu verlassen und auf Piste 30 Kilometer bis Tingo zu fahren. Ab jetzt wand sich der schmale Weg den Berg hinauf und es waren 1.700 Meter Höhenunterschied bis auf 3.000 Meter Höhe zu bewältigen, da Kuélap auf dem höchsten Berg der Umgebung errichtet wurde. Natürlich war der Weg teilweise schlammig, da es in der Nacht geregnet hatte. Gähnende Abgründe taten sich auf. 38 Kilometer und 2 Stunden später hatten wir vom Parkplatz der Anlage einen schönen Blick auf einen Teil der eben gefahrenen Strecke.
    Wir waren stolz auf uns es geschafft zu haben und endlich die Festungsanlage der Chachapoyas aus dem 12.Jahrhundert sehen zu können. Die Chachapoyas (Wolkenkrieger) wurden zwar von den Inkas besiegt und unterdrückt, haben aber immer wieder und trotz härtesten Strafmaßnahmen Widerstand geleistet.
Wir nahmen uns eine Führerin mit Namen Leya und mussten vom Parkplatz noch eine halbe Stunde zu Fuß den Berg hinauf gehen, um zu einem der drei Eingänge zu gelangen. Die Eingänge sind so gehalten, dass sie mit nur wenigen Männern verteidigt werden konnten. Die Spanier haben Kuélap weder entdeckt, geschweige denn jemals erobert.
Zuerst fanden wir ein winziges Vogelnest. Leya teilte uns mit, das es sich hier um das Nest von einem Kolibri handelt.
Die Anlage ist erst in der Restauration und es wachsen viele unterschiedliche Bäume auf den Mauerresten. Teilweise mit Bromelien überwuchert, teils mit kleinen Blüten versehen in denen unzählige Bienen schwirren.
Ley entfernte einen Stein aus dem Mauerwerk und wir konnten Gebeine von Menschen entdecken. Die Mauern sollen voll davon sein.
Gut zu erkennen waren die Ornamente in Zick-Zackmustern, die die höchste Gottheit der Chachapoyas, Machacuey (die Schlange) symbolisieren. Später haben wir noch eine andere Auslegung gehört. Die Archäologen sind sich irgendwie noch nicht einig.
Ein Kegelstumpf von 12 Metern Durchmessern wird im Buch als El Tintero bezeichnet. Für Leya ist es aber der Templo Mayor, die Opferstätte. Die Chachapoyas kannten im Gegensatz zu den Inkas keine Menschenopfer, lediglich Tiere, Koka und Früchte wurden den Göttern geopfert.
Hier sind die Überrest der Wohnstätten zu sehen, im Hintergrund das Häuschen mit dem Dach ist eine Rekonstruktion. In den Wohnstätten sind kleine Ställe zu entdecken in denen damals schon die Meerschweinchen(Cuy) gehalten wurden.
Unsere sehr liebenswürdige und freundliche Leya beim Abschiedsfoto. Hier kann man wieder einmal sehr gut erkennen, wie kleinwüchsig die indígene Bevölkerung ist, bei meinen gerade mal 158 Zentimetern.
Noch einmal durch einen der Ein/Ausgänge.
Verschiedene Steine waren mit Reliefs verziert und die Schlange durfte natürlich nicht fehlen.
Ein Abschiedsblick auf die 1.5 Kilometer lange und teilweise 20 Meter hohe Ringmauer. Drei Stunden waren vergangen wie im Fluge.
Weil der Himmel sich zugezogen hatte und wir weiteren Regen befürchteten, machten wir uns entgegen unserer Planung (wir wollten hier oben auf dem Parkplatz übernachten) eilig auf den Rückweg. Jedoch nicht nach Chachapoyas, sonder noch ein Stück weiter im Tal nach Yerbabuena. Leya hatte uns von dem dortigen Sonntagsmarkt vorgeschwärmt und da morgen Sonntag ist, wollten wir uns das nicht entgehen lassen. Auf einmal gab unser Reifendruckgerät Alarm. Der innere Zwillingsreifen verlor Luft. Gerade mal bis Yerbabuena konnten wir rumpeln und uns dort in der Llantería ( sogenannte Reifenwerkstatt) helfen zu lassen. Wie immer hatten sie kein passendes Werkzeug, doch Bernd konnte aushelfen. Ein spitzer Stein wurde als Übeltäter entlarvt und der Reifen vulkanisiert, danach war alles wieder im Lot.
Der Einfachheit halber blieben wir direkt gegenüber der Llantería für die Nacht stehen. Erst jetzt kamen wir dazu, uns den Ort genauer anzusehen. Fast jedes zweite Haus stand leer oder sah abbruchreif aus. Hier sollte der größte Markt der Umgebung stattfinden? Irgendwie kamen wir uns fehl am Platz vor. Der Marktplatz war noch öder. Lediglich mit ein paar Ständen bestückt und da vollkommen aus Lehm, sehr unhygienisch. Die wenigen Bewohner starrten uns an wie Außerirdische. Doch nun waren wir einmal hier und wollten sehen wie das Morgen weitergeht. In der Nacht konnten wir kaum schlafen, da ständig irgendwelche LKW´s vorbeifuhren. Am Morgen so gegen 6.30 Uhr konnten wir uns nur noch die Augen reiben. Über Nacht hat sich hier alles gefüllt und aus nah und fern wurden Waren angeboten. Wie Leya uns erklärte, haben die Menschen hier fast kein Bargeld. Die Waren werden größtenteils getauscht.
Es gab einen eigenen Großtiermarkt.
Außerdem herrschte ein sagenhaftes Gedrängel. Die Durchgangsstraße war für Fahrzeuge nur noch im Schritttempo passierbar.
Am Straßenrand wurden Schweine, Hühner und Enten feilgeboten.
  Auch Schafe gab es im Angebot und so manchen hatte einen schweren Sack nach Hause zuschleppen. Also Leya hatte uns nicht zuviel versprochen. So einen ursprünglichen und bunten Markt hatten wir bis heute noch nie gesehen. Touristen gab es außer uns übrigens keine. Nachdem wir uns auf dem Markt mit allerlei Obst und Gemüse eingedeckt hatten machten wir uns auf den Weg in die Hauptstadt des Departamento Amazonas, Chachapoyas mit gerade einmal 18.000 Einwohnern. Welch ein Anblick, eine Lehmstraße führte in die Stadt. Viele Häuser waren aus Adobeziegeln (ungebannte Lehmziegel) und boten ein recht trauriges Bild. Dann wieder geteerte Straßen und ein schöner Hauptplatz mit umliegenden Gebäuden im kolonialen Stiel. Da wir keinen Platz bei einem Hotel finden konnten, die Einfahrten waren für uns zu niedrig mussten wir wieder einmal mit einem Parkplatz vorlieb nehmen. Da allerdings wurden wir mit Strom und Wasser sowie einem eigenen Schlüssel fürs Tor bestens versorgt. Gleich machten wir uns auf den Weg um den Ort zu besichtigen. Da waren wir in einer halben Stunde durch. Wir nutzten die verbleibende Zeit um uns für den nächsten Tag eine Tour zu organisieren. 
Wir bekamen ein Auto, einen Fahrer und einen Führer für unser Tagesziel, die Sarkopharge von Karajía zur Verfügung gestellt. Wieder ging es über holprige Wege in die Bergregionen von Chachapoyas. Nach 1 ½ stündiger Fahrzeit kamen wir durch Luya, dem Heimatdorf unseres Fahrers. Er fuhr uns zu seinem Wohnhaus, da er dort sein Mittagessen abholen wollte. So kamen wir in den Genuss, einmal so ein Adobehaus von Innen zu sehen. Stolz zeigte er uns den direkt neben der Küche liegenden Stall der Meerschweinchen. Er besitzt so viele, dass er die meisten davon verkaufen kann und so einen guten Nebenverdienst hat. Kein Verständnis brachte er dafür auf, dass wir noch kein Cuy verspeist haben. Fahrer und Führen waren sich einig, dies ist das beste Fleisch von ganz Peru.
Die Küche war keine Offenbarung. Wasser gibt es nur zu bestimmten Stunden, doch immerhin es gab eine Toilette. Alles in allem sind die Räume dunkel, da selbst der Boden lediglich aus gestampftem Lehm besteht. Doch dies ist ein Haus von Jemandem der Arbeit und somit Geld hat, ein anderes Haus haben wir von innen nicht, oder besser gesagt Gott sei Dank nicht gesehen.
Unser Führer machte uns auf die ersten Grabstätten an den Berghängen aufmerksam. Die Gegend ist voll davon, die meisten unbekannt und unerforscht.  
Doch noch waren wir nicht am Ziel. Immer weiter ging es auf schmalen, steinigen Feldwegen an winzigen Dörfern vorbei. Dank der Fürsprache des Fahrers ließen sich die beiden Indígenas, zwar etwas zögerlich aber immerhin, fotografieren.
  In Lamud ging es dann nur noch zu Fuß weiter. Unser Fahrer kam zu seinem Schlaf bzw. Mittagessen und unser Führer Rainer endlich zu seinem Einsatz. Am letzten Haus im Ort mussten wir uns registrieren lassen und Eintritt bezahlen. Dann stiegen wir auf schmalen, steinigen Weg eine halbe Stunde einen Abhang hinab. Dann hatten wir sie vor Augen, die erst seit 1985 der Öffentlichkeit vorgestellte und selbst für Peru einzigartige Sehenswürdigkeit, die so genannten Sarkophage von Karajía. Zuerst bekamen wir den Wächter zu Gesicht.
Danach die Grabstätten der Diener.
Die Sarkophargen der Noblen bargen Mumien in Hockstellung (embrionale Haltung in Erwartung der Wiedergeburt). Die gemeißelten Gesichter der Sarkopharge, sowie die Farben sind gut erhalten. Über ihnen liegen Menschenschädel. Man nimmt an, dass es sich um die Schädel von Feinden handelt. Wahrscheinlich zur Abschreckung. Genau zuordnen kann man die Sarkopharge noch nicht, allerdings erinnern sie an die Steinstatuen der Osterinseln. Interessant ist, dass die Statuen selber so schwer zugänglich sind. Weder von oben noch von unten führen Wege hin. Die Menschen müssen mit Seilen oder langen Srickleitern über dem Abgrund gehangelt haben um ihre Fürsten zu beerdigen. Schwer beeindruckt machen wir uns an den mühevollen Aufstieg. Doch wir finden dieser Ausflug hat sich wirklich gelohnt.
Zuerst wollten wir einen weiteren Ausflug buchen, aber es wurde uns mehrmals bestätigt, dass wir selber mit dem WoMo zu einer weiteren Sehenswürdigkeit Chachapoyas gelangen können. Da diese auch ein Stück ( 32 km) auf unserem Rückweg lag und die Stadt Chachapoyas uns wirklich nichts mehr zu bieten hatte, machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg zum dritthöchsten Wasserfall der Welt der Catarata Gocta. Erst im Jahre 2002 wurde er von dem deutschen Stefan Ziemendorff, am Steilabfall der Anden zum Amazonastiefland entdeckt. Gut nur, dass wir in Chachapoyas eine ungefähre Karte erhielten, denn in keinem Reiseführer war der Weg dorthin beschrieben. Aber oh Wunder, es gab Wegweiser, was hier in Peru wirklich eine Sensation ist. So konnten wir auf schmaler Piste, immer den Worten von Rainer vertrauend bis zu dem Weiler Cocachimba vordringen. Um einen sicheren Parkplatz brauchten wir uns nicht zu sorgen. Hier war die Straße zu Ende und wir wurden direkt von der Wächterin und Eintrittskartenverkäuferin per Handschlag begrüßt. Zwar wollten wir zuerst ohne Führer gehen, was uns aber sofort ausgeredet wurde. Der Weg dauert hin und zurück 5 Stunden und sei manchmal recht schwierig. Ilton, ein junger Indígeno nahm es auf sich uns für 20 Soles zu begleiten. Immer wieder bekommen wir Namen und Heilwirkung der Kräuter am Wegesrand erläutert. Wir werden auf den Fruchtwechsel Mais, Kartoffeln, Erbsen auf den Feldern aufmerksam gemacht, bekommen die verschiedensten und uns unbekannten Früchte gezeigt. Gerade werden hier Ananasplantagen angelegt. Eine neue Einnahmequelle für die Dorfgemeinschaft. Nach einer Stunde auf und ab waren wir am ersten Aussichtspunkt und konnten schon einen schönen Blick auf den Wasserfall erhaschen.
Auf steinigem, manchmal matschigem Weg ging es immer weiter auf und ab. Wir überquerten eine Hängebrücke und es ging wieder bergauf. So langsam dachten wir sorgenvoll an den Rückweg. Bernd stürzte und drohte ein Stück den Abhang am Wegesrand hinunter zu rutschen. Wie ein Panter sprang Ilton aus zwei Meter Entfernung auf Bernd zu und packte ihn bei den Füßen. Nichts passiert, alles in Ordnung. Dann immer weiter nach unten. Am letzten Mirardor hatten wir eine wundervolle Aussicht auf den Wasserfall mit seinen zwei Kaskaden. Die erste Stufe beträgt 200 Meter und die zweite 571 Meter. Ein wirklich imposanter Anblick. 40 Minuten müssten wir jetzt noch abwärts steigen um an den Fuß des Falles und die Lagune zu kommen. Doch abwärts heißt ja auch wieder aufwärts. Wir lassen Vernunft walten und erklären Ilton, dass wir genug gesehen haben und zurück wollen. Er bietet uns an Pferde zu bestellen, damit wir zurück reiten können. Doch ehe wir uns auf Pferde setzen gehen wir doch lieber zu Fuß.
Nun wird es hart. Immer bergauf, die kurzen geraden Passagen können uns auch nicht mehr aufheitern. Immer wieder müssen wir uns setzen, Ilton hat es nicht leicht mit uns. Doch er erzählt uns fröhlich, dass er sehr dankbar ist, wie er sagt “Begleiter“ sein zu dürfen. 14 Leute aus dem Dorf machen das im Wechsel. Einmal in der Woche und wenn er Glück hat sogar zweimal ist er dran und kommt so zu etwas Bargeld. Den Rest der Woche arbeitet er auf seinem Feld, wo er anbaut was er zum Essen braucht ( Mais, Kartoffel, Erbsen und Kohl. Er hat für uns den ganzen Tag Zeit und wir können so langsam sein wie wir wollen. 20 Soles, dass sind gerade einmal 4,50 Euro. Unvorstellbar wenig und doch ist der junge Mann glücklich über das Einkommen.
Es kommt uns eine kleine Gruppe von 3 Personen entgegen. Wir kommen ins Gespräch und Oscar der Leiter der Gruppe spricht uns mit Namen an. Er hat eine Reiseagentur in Chachapoys und sich unser WoMo auf dem Parkplatz genau angesehen. Uns war noch gar nicht aufgefallen, dass auf dem Aufkleber den wir an der Grenze bekommen haben Bernds Name steht. Er lacht, dass wir aufgegeben haben, doch die ältere Frau die bei den beiden Männern ist, verdreht die Augen. Sie geht langsam weiter während wir noch eine Weile reden, sie will wohl die Zeit nutzen ihren Schritt zu gehen und nicht weiter mit den jungen Männern mithalten zu müssen. Oscar (im Bild rechts) ist deutschstämmig und spricht die Sprache sehr gut. Er gibt uns noch ein paar Tipps für die Weiterreise und dann gehen wir weiter. Wenigstens konnten wir so ein wenig Luft schöpfen. Ilton ist ganz erstaunt, dass wir uns so gut mit Oscar unterhalten konnten. Er kennt ihn, wusste aber nicht, dass er Deutsch sprechen kann.
Ein schöner Schmetterling am Wegesrand erfreut des Wanderers Herz.
Hier können wir sehen, dass auch ein Pferdeapfel noch viele Liebhaber findet.
Vollkommen erschöpft erreichen wir nach 5 ½ Stunden unseren Ausgangspunkt. Wir sind so fertig, dass wir nicht einmal mehr etwas essen können. Also wir sind wohl langsam zu alt für solche Gewaltmärsche. Bernds Knie schmerzen und wir sehnen uns nach unserem Bett. Doch wir wollen zuerst noch die Stunde bis zum Beginn der Baustelle in Pedro Ruitz fahren. Allerdings werden wir an der Tankstelle übernachten und erst morgen früh um 5.30 Uhr den Rückweg durch die Baustelle antreten. Dann wird es wohl hell sein und für uns ist das ein besseres Gefühl. Der Tankwart kennt uns noch und wir bekommen unseren alten Schlafplatz neben den Hühnern im Weihnachtsstern.
Es war gut so bis zum Morgen zu warten. Zwar brauchen wir auch wieder zwei Stunden bis wir durch die Baustelle hindurch sind, doch die meisten Autos sind schon durch und wir haben so weniger Verkehr. Obschon die wenigen Fahrer so aggressiv fahren wie damals in der Nacht. Jetzt sehen wir auch, an welchen Abgründen und über welch schlechte Brücken wir gefahren sind. Nachträglich bekommen wir noch eine Gänsehaut. In Bagua Grande ist der Spuk vorbei. Es ist noch so früh am Tag, das wir bis ans Meer kommen werden. Das aber ist eine neue Geschichte. Für jetzt verabschieden wir uns von den Wolkenkriegern. Es gäbe hier noch eine Menge zu entdecken. Leider ist der Tourismus hier erst im Kommen und die Informationen in unserer Reiselektüre sind spärlich. Trotz der vielen Mühen war es uns aber eine Freude hier gewesen zu sein.    

Sonntag, 20. September 2009

Riobamba und Sandra Mercedes

Welch ein Lichtblick. Wir nähern uns Riobamba, der Hauptstadt der Provinz Chimborazo und unserer Wohlfühlstadt in Ecuador. Riobamba hat 100.000 Einwohner und ist das agrarwirtschaftliche Zentrum der Region. Was uns bei den vorherigen zwei Besuchen nicht vergönnt war, sollte uns jetzt schon von weitem erfreuen. Ein traumhafter Ausblick auf den Chimborazo, der mit 6.310 m der höchste Berg Ecuadors ist und aufgrund der äquatorialen Wölbung der Erde der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernte Ort. Ursprünglich war es einmal der Altar, allerdings ist er heute mit 5.319 m wesentlich kleiner. Eine Legende weiß zu berichten warum es so ist: Tungurahua, Frau des Chimborazo, hatte eine Affäre mit Altar. Daraufhin schlug Chimborazo mit einem Hammer auf Altar ein, was diesen auf seine heutige Größe schrumpfen ließ. Heute noch streiten sich die Eheleute und bewerfen sich gegenseitig mit Blitzen. Frau Tungurahua ist derzeit besonders böse und spuckt Rauch und Asche. Sie straft damit nicht nur ihren Ehemann, sondern die ganze Region. Dafür hat Altar jetzt 9 Spitzen und wetteifert in seiner ganzen Pracht mit seinem Rivalen.
In Riobamba wurden wir wieder freundlich von José Ignacio im Hof des Hotel Whymper aufgenommen.
Extra für uns hat ein Dickblattgewächs eine wunderschöne Blüte hervorgebracht. Ein besonderer Vorteil dieses Platzes ist, dass alle Sehenswürdigkeiten und das Zentrum in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen sind.
Endlich kommt auch Burro zu seinem Recht. Der unbedingt fällige Öl- und Luftfilterwechsel kann vorgenommen werden. Ein zerbrochenes Außenspiegelglas wird ersetzt, die Blattfedern pulverisiert, so dass die Quietscherei bei jedem Schritt im Inneren des WoMo´s auch ein Ende hat.
Doch wir haben noch einen wichtigen Termin in unserem Programm. Wie ihr ja bereits wisst, besuchten wir vor einem halben Jahr unser Patenkind Sandra Mercedes und versprachen bald wieder zu kommen. Damals konnten wir unsere Deutsch-Dolmetscherin nicht mitnehmen. Diesmal waren wir besser organisiert und haben unseren Besuch in Deutschland angemeldet. Einen ganzen Koffer voll Geschenke für die Kinder hatten wir bereits aus der Heimat mitgebracht. Lebensmittel, Haushaltswaren, Bälle und ein besonderes Geschenk für Sandra Mercedes kauften wir am Vorabend unseres Besuches in Riobamba ein. Am Freitag dem 18.09.09 war dann der große Tag. Wir fuhren mit Miriam unserer Dolmetscherin und drei Mitarbeitern von Plan nach Columbe. Zuerst bis Guamote mit dem WoMo und dann weiter im Auto von Plan nach Columbe. Höher und höher schraubte sich das Auto auf einem Feldweg den Berg hinauf, bis wir endlich an dem Anwesen der Familie ankamen. Ach welch ein Unterschied zu unserem ersten Besuch. Damals hatte Sandra Mercedes sich aus Angst vor uns im Haus versteckt. Heute kam sie uns schon entgegen gelaufen und umarmte uns herzlich. Überhaupt ging die Begrüßung viel ungezwungener vor sich als vor einem halben Jahr.
Zu unserem Erstaunen waren aber sehr viel mehr Kinder da, als wir erwartet hatten. Wir erfuhren, dass die Lehrer streiken und jetzt die Nichten und Neffen der Familie, da sie ja keine Schule hatten, auch anwesend waren. Da musste erstmal eine Bonbontüte herhalten.
Kurz entschlossen disponierten wir um. Zuerst bekamen die drei noch im Hause lebenden Kinder ihre Geschenke, dann übergaben wir die Pakete mit Lebensmitteln der Mutter. Das, was wir für die Schule vorgesehen hatten, verteilten wir an die restlichen anwesenden Kinder. Die strahlenden Augen waren uns der schönste Dank. Als wir vor einem halben Jahr in Columbe waren, fragten wir Sandra Mercedes was denn wohl ihr größter Wunsch wäre. Sie erwiderte, sie träume von einem Fahrrad. Als dann das Fahrrad aus dem Kofferraum hervorkam war sie plötzlich stumm.
Ohne ein Wort nahm sie das Fahrrad und lief den Berg hinauf. Die kleineren Kinder liefen jubelnd mit.
Oben schwang sie sich auf das Fahrrad und fuhr, die Kleinen im Schlepptau wieder zu uns zurück. Sie umarmte uns immer noch wortlos.
Hier das Foto von der stolzen Besitzerin und dem Fahrrad. Der kleine Bruder setzt schon ein wenig besitzergreifend seinen Fuß auf das Pedal.
Wieder zurück im Haus zeigt uns Sandra Mercedes einen Block mit Bildern, die sie seit unserer Abwesenheit gemalt hat. Alle im Raum erkannten sofort um welche Personen es sich auf diesem Bild handelt und hatten daran ihre helle Freude. Vielleicht wird ja einmal eine Künstlerin aus ihr.
Danach lud der Vater uns zum Essen ein. Wieder hatten wir Glück und es gab Suppe, Kartoffeln und Huhn. Cuy (Meerschweinchen) stand nicht auf dem Speiseplan. Leider fanden nur die Plan Mitarbeiter, Miriam die Dolmetscherin (vorne links im Bild) Sandra Mercedes und wir Platz am Tisch. Der Rest der Familie musste im Stehen essen.
Wir bekamen jeder eine Tasche als Gastgeschenk überreicht und zum Abschiedsfoto versammelte sich die ganze Familie. Die beiden ganz alten Damen waren die Mütter von Holger dem Familienvater und Maria Juana der Familienmutter. Die beiden Großmütter sind unglaubliche 73 und 83 Jahre alt und haben nicht mal einen Ansatz von grauem Haar.
Wieder und wieder mussten wir Hände zum Abschied drücken. Die ganz Kleinen wollten uns überhaupt nicht gehen lassen und riefen: kommt bald zurück. Leider ist das wohl das letzte Mal, dass wir unser Patenkind sehen. Ein weiterer Besuch steht nach Abschluss unserer Südamerikareise nicht mehr an. Doch wir haben es einfach offen gelassen. Man weiß ja nie wie das Leben einem so mitspielt. Man soll nie nie sagen.
Zurück in Riobamba waren wir sehr traurig. Doch die Erinnerung an die vielen glücklichen Kinder hat uns darüber hinweggetröstet, dass Sandra Mercedes ab jetzt für uns wieder nur noch ein Brief und ein paar Bilder im Jahr sein wird. Doch jetzt kennen wir uns und das Briefeschreiben wird dadurch erheblich erleichtert. Nun sind wir frei von allen Terminen und können uns ganz unserer Reise widmen. Wir genießen noch ein paar schöne Tage in Riobamba. Zu gerne hätten wir La Basílica die einzige Rundkirche Ecuadors von Innen besichtigt. Doch leider war sie geschlossen.
Dafür aber lebt die Innenstadt. Samstag ist Markttag in Riobamba. Außer den eigentlichen Markthallen mit ihrem umwerfenden Angebot an Obst und Gemüse (wir haben mal wieder für Wochen eingekauft)
sind im Zentrum die fast alle Straßen mit Indígenas verstopft, die ihre landwirtschaftlichen Produkte verkaufen bzw. etwas kaufen wollen. Leider wollen sie nicht fotografiert werden und so muss Bernd heimlich Bilder machen.
Wir sehen auch viele arme Menschen wie diese Bettlerin, die nicht einmal Schuhe hat. Es ist zwar am Tag sehr schön sonnig und warm, jedoch jetzt ist Winter und die Nächte werden bitterkalt. Die Fischverkäuferin hat Mitleid mit ihr und schenkt der alten Frau einen Fisch.
Hier ein Blick auf unsere Straße, die an der Stierkampfarena endet.
Hier vergeht fast kein Tag ohne Prozession. Hier wird das Bildnis der Madre de Cisne durch die Straßen getragen.
Doch nicht so recht fromm und bedächtig, sondern mit bunt gekleideten Tänzern, Musik und Böllerschüssen.
Gleich entsteht ein Verkehrschaos, dass aber weder die Gläubigen noch die Autofahrer aus der Ruhe bringt. Mit dem Bild des Gemäldes der Stadtgeschichte verabschieden wir uns von „unserer“ Stadt.
Auch von José Ignacio (hier im Bild mit den Hunden die uns bewacht haben und seinem Schwager) müssen wir uns nun verabschieden. Er hat so viel für uns getan und war uns ein guter Freund. Gerne würde er noch Fahrten ins Umland für uns organisieren, doch der ecuadorianische Staat gibt uns keine Zeit mehr und wir brauchen noch ein paar Tage um bis zur Grenze zu kommen. Davor steht noch Cuenca auf dem Plan und diese Stadt ist auch eine Reise wert. Davon mehr im nächsten Blog.

Samstag, 19. September 2009

Ein paar unvorhergesehene Schwierigkeiten

Wenn man den Flughafen Quito aus der Luft sieht, bleibt einem ein wenig das Herz stehen. Ringsherum hohe Berge und eine, für unser Empfinden zu kurze Landebahn mitten im Wohngebiet. Der Pilot lässt das Flugzeug fallen und macht dann eine Vollbremsung. Da bleibt kein Magen an seinem Platz. Doch wir sind heil runter gekommen und die Abfertigung ging zügig voran. Da wir wieder eine Zeitumstellung hatten, waren wir schon um 9.00 Uhr am Haus von Rei und konnten ihn und Burro endlich begrüßen. Mehr Zeit blieb auch nicht, denn unsere Importation für das WoMo lief aus und wir mussten so schnell wie möglich das Land verlassen. Also haben wir notdürftig unser 160 kg!!! Gepäck verstaut und uns dann auf den Weg nach Kolumbien gemacht. Bei der Ausreise aus Ecuador drehten und wendeten die Zollbeamten unsere Papiere, ließen uns aber nach einigem hin und her ausreisen. Als wir fast unsere Einreiseformalitäten in Kolumbien hinter uns hatten, kam die Polizei und hielt uns auf. Die Ecuadorianer hatten um Amtshilfe gebeten. Nach einer halben Stunde Ungewissheit hieß es, wir könnten gehen. Warum uns die Ecuadorianer suchten wussten sie angeblich nicht. Es sei alles erledigt. Da wir nur einen Tag in Kolumbien bleiben wollten, fuhren wir nur bis Las Lajas. Dort wollten wir wieder bei der alten Frau im Hof stehen. Bevor wir überhaupt herausgefunden hatten um welches Haus es sich handelte, stand sie schon auf der Straße und winkte uns herein. Zwar hatten wir das Santuario schon besichtigt, doch es war uns einen erneuten Besuch wert. Vorbei an unzähligen Votivtäfelchen die von Wundern kündeten stiegen wir ab in die Schlucht. Die Kirche war voll von Gläubigen, die sich auf irgendeine Art und Weise Hilfe von Maria erhofften. In der nächsten Woche ist hier das große Heiligenfest und die Pilger aus ganz Südamerika treffen schon langsam ein. Wir ärgern uns wieder einmal, dass wir uns für den Anfang so knappe Fristen gesetzt haben und nicht auf die Feierlichkeiten warten können. Eine ruhige Nacht hatten wir nicht, denn wir machten uns Gedanken um unsere erneute Einreise. Wie sich dann heraus stellte nicht zu Unrecht. Das erste Problem ergab sich bei der Personeneinreise. Im Zeitalter des Computers haben die Zöllner nämlich auf alle Daten Zugriff. Was in Quito keinen interessiert hatte, fiel hier auf. Wir hatten unsere Jahreshöchstaufenthaltsdauer von 90 Tagen fast erfüllt und nur noch 16 Resttage. Eine halbe Stunde war die Personenkontrolle blockiert. Es half nichts, dass wir in Quito 90 Tage bekommen hatten, hier wurde uns das Gesetzbuch um die Ohren geschlagen. Eine Schlange von mindestens 50 Personen bildete sich hinter uns. Nur gut, dass die Menschen hier beim Warten eine Engelsgeduld haben. Endlich und unter Mithilfe von einer jungen Kolumbianerin mit guten Deutschkenntnissen, mit der wir zufällig vorher an der Kolumbianischen Grenze ins Gespräch gekommen waren, einigten wir uns auf 30 Tage Aufenthalt. Genug um unsere Reisepläne bis zur Ausreise nach Peru zu verwirklichen. Doch es sollte noch viel schlimmer kommen. Wir bekamen keine Importation für Burro. Unsere Papiere waren zwar in Ordnung, jedoch hat in Quito jemand ein falsches Datum in den Computer eingetragen. Somit hatten wir die Aufenthaltsdauer überschritten und müssten eine Strafe von 2.000 US $ zahlen. Die Zöllner sehen zwar ein, dass uns keine Schuld trifft, das Datum aber können sie nicht berichtigen. Der Computer gibt kein neues Formular frei, weil ja die Strafe nicht bezahlt ist. Uns steht der Schweiß auf der Stirn. Mit Hilfe der jungen Frau teilen uns die Zöllner mit, dass wir nun nach Tulcán müssen. Dort können wir am Montag (also in zwei Tagen) auf dem Hauptzollamt unser Anliegen vortragen. Vielleicht haben die eine Lösung für uns. Auf unsere Frage ob wir denn mit dem Auto nach Tulcán können, zuckt der Zöllner mit den Schultern und lächelt. Wir bedanken uns bei Vater und Tochter für die Hilfe. Wollten die beiden doch nur für ein Wochenende nach Ecuador einreisen und haben wegen uns so viel Zeit verloren. Es ist schon ein mulmiges Gefühl in einem fremden Land mit einem Auto unterwegs zu sein, dass nicht offiziell dort gefahren werden darf. Jetzt bloß keine Polizeikontrolle. Auf dem ersten Parqueadero in Tulcán bleiben wir die 2 Tage stehen. Hier haben wir zwar sehr lästigen „Familienanschluss“ (es gibt eine Unmenge Kinder und die haben tausend Fragen, wollen immerzu ins WoMo, die Erwachsenen lassen uns auch keine Ruhe, sind wir doch Exoten und Gesprächsstoff für Tage). Na ja und Kinder haben wir auch keine, wir armen, armen Alemanes. Doch irgendwo müssen wir ja bis Montag bleiben und die Leute geben sich hier alle Mühe zu uns nett zu sein. Dann in der Hauptzollstation wissen sie schon Bescheid über unseren Fall, die Grenzstation hat angerufen und sie informiert. So müssen wir wenigstens nicht ellenlang erklären was wir wollen. Zwei Stunden dauert es. Telefonate mit Guayaquil und Quito werden geführt, keiner kann das Datum im Computer berichtigen. Zu guter letzt bekommen wir einen Brief ausgehändigt, aus dem zu entnehmen ist, dass die Strafe ungerechtfertigt ist und das unser Fahrzeug 90 Tage in Ecuador bleiben dar. Gestempelt und mit Unterschrift versehen vom Amtschef und seinem Stellvertreter. Danach müssen wir zur Grenze zurück fahren und dort noch die Einfuhr auf diesem Schreiben mit Stempel und Unterschrift bestätigen lassen. Es ist schon Mittag, als wir endlich offiziell auf Ecuadors Straßen fahren dürfen. Hoffentlich haben die bis zu unserer Ausreise ihr System bereinigt, sonst sehen wir schwarz für eine eventuelle Rückkehr nach Ecuador. Jetzt heißt es fahren, fahren, fahren, mit lediglich einer kurzen Zwischenübernachtung in Otavalo. Auf dem Weg nach Quito ist unser einziger Halt ein Fotostopp, weil wir endlich einmal den 5790 m hohen Cayambe fast ohne Wolken zu Gesicht bekommen.
Pünktlich zu unserer am vergangenen Donnerstag getroffenen Verabredung zum Abendessen mit Rei und seinen Kindern sind wir im Restaurant in Quito und können endlich ein wenig durchatmen. Wir verabschieden uns bis März und verbringen die Nacht auf dem Parkplatz in der Stadt. Bevor wir aber unsere Reise endlich richtig beginnen können, haben wir am Donnerstag und Freitag noch ein Treffen mit Mitarbeitern von Plan International und unserem Patenkind Sandra Mercedes in Riobamba bzw. Columbe. Der Bericht folgt in den nächsten Tagen und diesmal hoffentlich mit mehr Bildern und schöneren Erlebnissen.

Dienstag, 15. September 2009

Bonaire/Karibik

Nun beginnt es also wieder, ein neues Abenteuer Südamerika. Als wir Burro in Quito gelassen haben wussten wir nicht, dass Quito keine besonders gute Fluganbindung an Europa hat. So mussten wir leider etwas umständlich mit KLM fliegen. Was bedeutete, dass wir zuerst von Düsseldorf aus mit dem Cityhopper nach Amsterdam und von dort weiter nach Bonaire geflogen sind. Von dort ginge es dann weiter nach Quito. Doch wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und uns eine Woche Karibikurlaub in Bonaire gegönnt. Bonaire gehört zu den niederländischen kleinen Antillen, den so genannten ABC Inseln (Aruba, Bonaire, Curaço). Verständigungsschwierigkeiten hat man hier keine. Die Sprache der Einheimischen ist Papiamento. Ein wüstes Gemisch aus Spanisch, Portugiesisch, Englisch und afrikanischen Dialekten. Das stammt noch aus der Zeit, als hier Sklaven die Arbeit verrichten mussten. Amtssprache ist Niederländisch, Umgangssprache Spanisch und Geschäftssprache Englisch. Das Schöne daran ist, dass fast jeder Einwohner von Bonaire alle diese Sprachen beherrscht. Da können wir uns glatt mal ein Beispiel daran nehmen. Wir sind also zur unchristlichen Zeit, morgens um 3.20 Uhr in Bonaire angekommen. Gleich konnten wir uns an die hohen Preise hier gewöhnen. Das Taxi, welches 5 Minuten zu unserem Hotel benötigte, kostete 15,-- US $. Unser Hotel, das Divi Flamingo Ressort, lag wunderschön direkt am Meer und hatte auch schon um die frühe Uhrzeit das Zimmer für uns bereit. Zuerst haben wir uns noch einmal schlafen gelegt und dann gegen 8.00 Uhr unser Frühstück genossen. Da wir noch mit der Zeitumstellung zu kämpfen hatten, gab es keine Probleme am frühen Morgen schon ausgiebig warm zu essen. Dies blieb übrigens für die Dauer unseres Aufenthaltes die einzige warme Mahlzeit am Tage, den bei Preisen von 35,--US$ pro Person für ein Essen vergeht einem schon irgendwie der Appetit. Sobald man hier den Frühstückstisch auch nur für ein paar Sekunden verlässt, stürzen sich die Vögel auf die Teller. Wahrscheinlich ist denen das Leben hier auch zu teuer. Sie sind spezialisiert darauf Butterpäcken und Milchdöschen zu öffnen. Brotscheiben verschwinden im Handumdrehen.
Zwar ist die Insel nicht besonders groß (288 km²), doch um sie zu erkunden, braucht man einen fahrbaren Untersatz. So haben wir uns gleich für die Woche ein Auto geliehen.
Die kleine Hauptstadt Kralendijk war zwar zu Fuß in wenigen Minuten zu erreichen, gab aber nicht viel her. So machten wir uns auf den Weg zum Washington/Slagbaai National Park. Im Wesentlichen ist Bonaire eine trockene, staubige Insel mit vielen Kakteen als Bewuchs, die Attraktion der Insel ist der Marine Park. Ein Paradies für Taucher und Schnorchler. Im Nationalpark gibt es noch beides, unberührte Natur und wunderschöne Tauchgründe.
Hier leben Unmengen von verschiedenen Vögeln und ansonsten nur Echsen und Leguane. Dieser neugierige kleine Kerl musste sich erst mal im Spiegel bewundern. Wahrscheinlich hatte er noch eine Verabredung mit seiner Liebsten.
Ein Fisch namens Wanda ( oder doch Jutta?)
Dieser French Angelfish hatte überhaupt keine Scheu und begutachtete uns ausgiebig.
Man braucht hier nur den Kopf unter Wasser zu halten um die wunderbare Unterwasserwelt aus nächster Nähe zu beobachten. Es wimmelt hier von bunten Fischen aller Art. Natürlich haben wir gleich ein Bestimmungsbuch gekauft (leider nur in Englisch). Doch nicht alle Fische konnten wir darin finden.
Der Honeycomb Cowfish war auch eindeutig zum Spielen aufgelegt.
Der Bonairetag fand in dem Winzlingsort Rincon statt. Das durften wir natürlich nicht versäumen. Hier gab es ein vielfältiges Treiben mit Verkaufsständen, Musikveranstaltungen und Folkloreveranstaltungen.
Auch die Vogelwelt wollte mitfeiern. Im Süden der Insel konnten wir restaurierte Sklavenhütten besichtigen. Also die sind sogar für mich zu klein. Es ist schon traurig zu sehen, wie Menschen mit Menschen umgehen bzw. umgegangen sind aus purer Profitgier.
Da blutet das Sammlerherz. Berge von Muscheln und keine darf man mitnehmen. Das alles steht hier streng unter Schutz.
Ach wie kann das Leben schön sein!
Die Westseite der Insel hatte auch einiges zu bieten und hier können wir den Goto Lagun von oben sehen, die ein Schutzgebiet für Flamingos ist.
Davon gab es dann auch reichlich zu sehen.
An unserem letzten Tag haben wir noch ein wenig am Riff direkt vor unserem Hotelfenster geschnorchelt und siehe da, auch hier war die Unterwasserwelt sehr vielfältig. Vom Trumpetfish bis zum Parrotfish war alles vorhanden. Die Zeit verging viel zu schnell und am 10.09.09 mussten wir um 2.00 Uhr morgens zum Flughafen um unsere Weiterreise nach Quito anzutreten. Davon mehr im nächsten Blog.