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Montag, 1. Februar 2010

Rio de Janeiro

Nun hatten wir ihn also endlich wieder erreicht, den Bundesstaat Rio de Janeiro. Nachdem zwei harte Fahrtage mit meistens 34°C Durchschnitttemperatur im WoMo hinter uns lagen, waren unsere guten Vorsätze dahingeflossen wie unser Schweiß. Unsere Körper sehnten sich nach Schatten, Wind und Strand. Was bot sich da besser an, als Rio dos Ostrás, ein beliebter Badeort an der Strecke. Doch es war mal wieder Freitag und es bestand nicht die geringste Chance auf einen Parkplatz am Meer. Den Campingplatz im Ort konnten wir nicht finden und so gaben wir nach einiger Zeit entnervt auf. Nachdem wir ein paar Kilometer weiter, im kleinen Ort Barra de São João, die Pousada Tropical entdeckten, machten wir einen letzten Versuch und diesmal hatten wir Glück. Im Vorgarten der Pousada fanden wir nicht nur einen ruhigen Stellplatz, sondern die Besitzer Brigitte (Deutsche) und Julio Cesar gaben sich auch noch alle Mühe, uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.

Dass wir den Pool benutzen durften, war genauso selbstverständlich wie Kaffee, Kuchen und ein Schwätzchen am Nachmittag. Vom Pool aus hatten wir direkten Zugang zum ruhigen Strand. Als die Waschmaschine lief, wurde unsere Wäsche gleich mitgewaschen und Tipps für Besuche in der Umgebung gab es auch noch dazu. Die Erdeule sah sich aus sicherer Entfernung unser Treiben an.

Abends konnten wir auf der 3 Kilometer langen Strandpromenade ins Zentrum zum ersten Mal einen der berüchtigten brasilianischen Musiklaster sehen und genießen (aua! aua!). Die sind genauso laut wie sie aussehen, aus allen Boxen dröhnt die Musik und die ist kilometerweit zu hören. Doch die Brasilianer lieben das und vor allem im Karneval fahren die hier durch die Straßen und oben auf der Ladefläche wird getanzt.

Da ist uns die Abendstimmung im historischen Zentrum mit seiner romantischen Igreja São João doch um ein vielfaches lieber. Sie liegt genau an der Stelle, wo der gleichnamige Fluss ins Meer fließt. Der Fluss ist zum Baden bei Familien sehr beliebt und auch mit Stränden und der nötigen Infrastruktur versehen. Uns haben es mal wieder die Kolonialhäuschen angetan. Sie stehen unter Denkmalschutz und fast alle zum Verkauf. Jedes hat einen riesigen Park dahinter, doch die Häuser sind zum Teil so verrottet, dass sich Niemand finden will, sie zu restaurieren (oder das Geld dafür hat). Die Außenkacheln sind noch im Original erhalten.

Wer kann sich nicht in so ein Häuschen verlieben?

Überall stehen diese Prachtexemplare von Flamboyantes in der Innenstadt.

Also ehrlich, auch wenn Mercilene und Jeronymo uns kugelrund gefüttert haben, wir waren das nicht!

Nein, jetzt mal ernsthaft. 1943 wurde diese Brücke für eine Eisenbahnstrecke gebaut, die dann nie fertig gestellt wurde. Daher gab man sie kurzerhand für den Autoverkehr frei Einige Jahre später stürzte sie dann ein. Weil sie ein so schönes Fotomotiv abgibt (oder weil man zu bequem ist sie abzureißen) bleibt sie eben solange im Wasser stehen, bis die Natur ihr den Rest gibt. Sträucher wachsen ja schon auf ihr.

Brigitte hatte zwischenzeitlich Kontakt zu ihrem Bekannten Alfredo in Rio de Janeiro Stadt aufgenommen um ihn zu befragen, wo wir mit dem WoMo wohl am Besten unterkommen könnten. Unsere ursprüngliche Wahl war der Parkplatz an der Teleférico zum Zuckerhut. Jedoch hatten uns Mercilene und Jeronymo total verunsichert, da sie uns davor dringend abrieten, Rio sei einfach zu gefährlich. Doch Alfredo bestätigte uns, dass wir eine gute Entscheidung getroffen hatten. Außerdem machte uns Brigitte neugierig auf eine Fazenda in der weiteren Umgebung, wo wir noch die sehr seltenen Mico-Leão-Dourado (Löwenkopfäffchen) zu Gesicht bekommen könnten. Da wir für Tiere immer zu haben sind, schoben wir kurzerhand diesen Punkt noch in unser Programm ein. Also mussten wir am Montag weiter. Hier bei der Ausfahrt vom Grundstück kann man sehr gut erkennen, wie knapp es für uns war. Nicht nur das Tor war recht eng, auch die Strom- bzw. Telefonkabel mussten erst mal von Julio Cesar in die Höhe gehoben werden.

Wegen fehlender Hinweisschilder war es etwas abenteuerlich, bis wir die Fazenda Bom Retiro in Silva Jardim fanden. Leider war der Besitzer, bei dem uns Brigitte telefonisch angemeldet hatte, nicht zu Hause und so konnte Niemand hier Englisch oder Spanisch sprechen. Irgendwie gelang es uns einen der Arbeiter zu überreden mit uns zusammen die Wanderung durch das dschungelartige Gelände zu machen, da der Trilha (Pfad) nicht gekennzeichnet und auch teilweise für uns nicht als solcher zu erkennen war.

Wir waren ausgestattet mit Wanderschuhen und moskitofester Kleidung. Unser Führer ging barfuss durchs Gestrüpp, über Stock und Stein. Das wichtigste Werkzeug war die Machete, mit der er immer wieder den Weg freischlagen musste. Wir hatten das Gefühl, dass hier schon eine Ewigkeit niemand mehr gegangen sein kann.

Pünktlich nach einer ¾ Stunde Wanderung begann ein Tropengewitter der Güteklasse A. Innerhalb von wenigen Minuten waren wir klatschnass und das Wasser stand in unseren Schuhen. Unsere Sicht war gleich null, da wir ja nun mal keine Scheibenwischer an unseren Brillen haben und die Steine auf unserem Weg wurden gefährlich glitschig. Heilfroh an einem Wendepunkt angekommen zu sein, machten wir uns auf den Rückweg. Der Pfad war dann eher ein Bach als ein Weg und so wateten wir in knöcheltiefem Wasser bis zur Fazenda zurück. Dort angekommen hörte der Regen so schnell auf wie er gekommen war. Affen haben wir natürlich keine gesehen, dafür brauchten wir drei Tage bis die Schuhe wieder trocken waren.

Einzig die hübschen Vögel, die wir dann bei einem guten Essen von der Terrasse der Fazenda bewundern konnten trösteten uns ein wenig. Von anderen Gästen erfuhren wir, dass sie schon einen Monat hier sind und immer noch den Mico-Leão-Dourado nicht gesehen haben. So lehnten wir den Vorschlag unseres Führers ab, am nächsten Morgen die Wanderung noch einmal zu machen.

Da uns jetzt auch nichts mehr auf der Fazenda hielt, beschlossen wir noch ein Stück zu fahren. Also ging es wieder zurück nach Barra de São João und dann immer weiter an der Küste entlang bis Armação dos Búzios, dem sogenannten Saint Tropez von Brasilien. Seit Brigitte Bardot 1964 das “himmelfarbene Champagnermeer genoss, der Jet-Set von Mick Jagger über Bil Gates bis Nina Hagen sich hier tummelt, haben noch viele weitere Prominente in Búzios ein Domizil. Hinter hohen Mauern und Stacheldraht versteckt, bewacht von schwer bewaffneten Sicherheitskräften versteht sich. Kilometerlang hat Otto Normalverbraucher keinen freien Zugang zum Meer und wir keine Übernachtungsmöglichkeit. Weder an Tankstellen noch auf öffentlichen Parkplätzen und an den Hotels haben wir es erst gar nicht mehr versucht. Es wurde dunkel und die Polizei hatte ein Einsehen mit uns. Wir durften auf das Gelände hinter der Wache, ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass es auf jeden Fall nur für diese eine Nacht sein kann.

Rund um Búzios liegen 27 Buchten, 18 vorgelagerte Inseln und angeblich traumhafte Strände. Die touristische Infrastruktur konzentriert sich auf Leute mit dem entsprechenden Geldbeutel. Wir mussten in einer Nebenstraße parken, da uns alle Parkplätze in Strandnähe verwehrt wurden. So manch anderer kann auch nur davon träumen hier dazu zu gehören oder was will uns der Erbauer dieser Sandburg sagen?

Diese Häuser am Hang waren mit das Freundlichste was wir in Buzios gesehen haben.

Brigitte Bardot hat man hier natürlich ein Denkmal gesetzt. Das Hotel, in dem sie gewohnt hat wirbt heute noch mit ihrem Namen und ein Kino wurde auch nach ihr benannt. Von der Igreja de Sant´Ana hatten wir noch einen schönen Blick auf die Praia dos Ossos.

Die Andenkenläden sehen auch aus wie überall. Lediglich der Sessel hatte es mir angetan. So wird man doch wenigstens immer von jemandem umarmt.

Suchbild: Welche Personen sind echt.

Dann hatten wir von Búizios genug und fuhren in einen wirklich weltberühmten Ort. Vorbei an der Lagoa de Araruama mit ihren weißen Sandstränden und Niteroi, gelangten wir auf die 12 Kilometer lange Brücke über die Baia de Guanabara. Als die Portugiesen unter Amerigo Vespucci 1502 hier landeten, hielten sie den Auslauf der Baia für einen Fluss, nannten ihn nach dem Monat der Entdeckung Rio de Janeiro (Januarfluss) und gründeten dort die gleichnamige Stadt. Bernd fand problemlos, immer am Meer entlang fahrend den Parkplatz an der Teleférico (Seilbahn) zum Pão de Açucar (Zuckerhut). Doch zunächst schauten wir entsetzt. Kein Zaun, kein sichtbares Wachpersonal und vor allem kein freier Platz für uns. Das konnte doch unmöglich dieser angeblich so sichere Parkplatz in Rio sein. Hätten wir doch bloß auf Mercilene und Jeronymo gehört! Die Parkplatzeinweiser kamen auf uns zu und suchten für uns eine freie Stelle. Direkt an der Praia Vermelha und unter großen Schattenbäumen gab es eine kleine Lücke. Zentimeter für Zentimeter wurden wir eingewiesen, mit dem Heck über dem Bürgersteig und gerade noch so eben Platz zum Öffnen der Türen, aber immerhin wir standen und wie!! Es war vielleicht nicht der ruhigste Platz unserer Reise, aber sicherlich der mit der schönsten Aussicht. Wer kann schon von sich sagen unterhalb des Zuckerhutes, direkt am Strand, mit Blick auf den Corcovado und der Christusstatue ein Bett gehabt zu haben? Wir jedenfalls waren hin und weg.

Irgendwie drückte uns das leidige Sicherheitsproblem und so machten wir zunächst einmal einen Erkundigungsrundgang. Schnell erschloss sich uns, warum das hier ein idealer Platz für uns war. Außer der Station der Teleférico und der Praia waren alle Gebäude rund um den Platz ausnahmslos Militärgebäude, von der Kaserne, über Verwaltungsgebäude, Militärclub bis hin zu den Wohneinheiten. Die wurden natürlich vom Militär rund um die Uhr bewacht und somit auch der Parkplatz.

Da die Sicht am Spätnachmittag recht gut war, fuhr Bernd gleich mit der Seilbahn hoch zum Zuckerhut. Mich hätten natürlich wieder mal keine 10 Pferde in diese Bahn gebracht, mir grauste schon vom Zusehen.

Zuerst schwebte er auf den Morro da Urca.

Dort muss man aussteigen und in die nächste Bahn gehen. Bernd nutze die Zeit auf dem Morro um schon die ersten Ausblicke auf die Stadt zu genießen.

Ein paar Äffchen turnten auch noch herum und hofften auf ein Zubrot, doch es bestand ein strenges Fütterungsverbot.

Das eigentliche Ziel, der Gipfel des Zuckerhutes war schon zum Greifen nah. Von ganz oben hatte er dann die schönste Aussicht über die Stadt und auf den jetzt leider schon etwas verhangenen Corcovado. Auch unser Stellplatz war gut zu erkennen. Eingerahmt von Hügeln, hinter dem Strand unter den Bäumen und wie gesagt umgeben von den Gebäuden des Militärs. Die haben sich wirklich eine der schönsten Stellen Rios reserviert.

Viel Schlaf bekamen wir übrigens nicht in der ersten Nacht. Am Strand wurde eine Party gefeiert und das bei voller Lautstärke bis morgens um 4.00 Uhr. Um 5.30 Uhr kamen dann schon die ersten Jogger auf den Platz gefahren. Rio schläft eben nicht, was brauchen denn die Touristen Schlaf?

Am Morgen bekamen wir schon früh Besuch von Alfredo. Er gab uns einige Tipps und Verhaltensregeln, insbesondere was wir hier tunlichst unterlassen sollten um uns nicht in Gefahr zu bringen, denn in Rios berüchtigten Favelas hausen Millionen von Armen. Diese Siedlungen wachsen wie Krebsgeschwüre die Morros (Hügel) hinauf und sind Brutstätten von Kriminalität. Für den Touristen ist es manchmal schwer zu erkennen, wo eine Favela anfängt. Ansonsten meinte er, wir wären gut vorbereitet und in der Lage uns Rio ohne Führer anzusehen.

Also machten wir uns mit einem Taxi in das Zentrum auf. Ein Baum mit hübschen Blüten und uns unbekannten Früchten zog unsere Aufmerksamkeit an.

Am Largo da Lapa erspähten wir eine interessante Straßenlaterne mit Schlangenköpfen

und kurz darauf den Aqueduto de Carioca, den wir in bald mit der Bonde ( Straßenbahn) befahren würden. Das das merkwürdige Gebäude hinter dem Aqueduto die Kathedrale ist, erkannten wir erst nach mehrmaligem Hinsehen. Übrigens war die von Innen auch nicht vielschöner als von Außen. Wie heißt das noch: Schön ist nicht schön, Gefallen macht schön. Also wems gefällt!

Hier ist die Bonde noch menschenleer. Doch als wir drin saßen, war sie rappelvoll. Alles nur Touristen, wer sonst würde mit einem so klapprigen Gefährt und so unkonfortabel fahren wollen? Die Bonde fährt in den malerischen Stadtteil Santa Teresa. Für dessen Besichtigung hatten wir einen halben Tag eingeplant. Doch laut Alfredo war ein Bummel für uns im Moment absolut tabu. Gestern hatte es hier am helllichten Tag eine Schießerei zwischen der Polizei und Gangstern gegeben. Wir sollten nur noch in der Nähe der Schienen und im Zentrum bleiben und auf keinen Fall unbelebte Straßen gehen. Die Sicherheitslage kann sich in Rio eben jeden Tag ändern.

Also waren wir schnell mit Santa Teresa durch und machten uns auf, den Rest des Zentrums zu besichtigen. Viele Häuser sind sehr stark dem Verfall preisgegeben und die Menschen die dort wohnen scheinen auch nicht auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. Natürlich haben wir noch einige Gebäude und Plätze mehr gesehen wie z. B. das Teatro Municipal, die Praça Tiradentes und den Morro do Antônio mit seinem Kirchen- und Klosterkomplex.

Bernd war am Spätnachmittag heiß auf die Fahrt mit der Zahnradbahn auf den Corcovado. Geschlagenen 1 ½ Stunden musste er warten bis die ca. 500 Leute vor ihm durch und er endlich an der Reihe war um in die Bahn einsteigen zu können. Belohnt wurde seine Geduld mit einem kurzen Einblick auf den Parque Nacional da Tijuca, dem größten Innerstädtischen Regenwaldgebiet der Welt und der schönsten Aussicht auf das Stadtgebiet von Rio und die Lagoa Rodrigo de Freitas.

Natürlich durfte auch ein Bild mit dem Zuckerhut im Hintergrund nicht fehlen.

Christus Redentor ( der Erlöser) ist 38 Meter hoch und 1.145 Tonnen schwer. Am 12. Oktober 1931 wurde die zum größtenteils vom Vatikan finanziert Statue eingeweiht. Übrigens wendet der Erlöser den Armenvierteln auf den Morros im Norden seinen Rücken zu.

Am Abend hatten wir dann noch ein besonderes Erlebnis. Alfredo meinte, wenn wir Samba erleben wollen, dann müßten wir in keine teure Schau gehen, sondern Nachts an die Strände. Da gäbe es Samba authentisch und umsonst. Direkt an der Praia Vermelha wurde uns das geboten. Zunächst sah es aus wie eine Rentnerveranstaltung. Doch immer mehr Leute kamen und jeder der etwas beitragen konnte war willkommen. Ob Trommel, Kalebasse mit Perlen oder Salzstreuer mit Reis, alles was Geräusche machen konnte erzeugte musikalische Harmonie. Leise Balladen wurden dazu gesungen und zum Schluß tanzten alle. Alte und Junge, Schwarz und Weiß bildeten eine Einheit und das alles ohne String und Federn. Gegen 1.00 Uhr fielen wir todmüde ins Bett. Wann die Veranstaltung zu Ende war wissen wir nicht, sie hat unseren Schlaf nicht gestört. Morgens um 8.00 Uhr waren es schon 31° heiß. Was konnten wir da besseres unternehmen als einen Ausflug in den Botanischen Garten? Hier ließ es sich prächtig aushalten im Schatten riesiger Bäume. Kaiser Dom Pedro I ließ den Garten 1809 anlegen und entsprechend alt ist der Baumbestand.

Doch auch die Kakteen waren nicht zu verachten.

Genauso wie die vielen Bromelienarten.

Für mich gab es dann noch eine besondere Freude. Insgeheim war ich schon ein wenig traurig, die Äffchen auf dem Morro da Urca nicht gesehen zu haben. Doch hier im Park gab es auch welche und wir haben ihnen lange bei ihrem lustigen Treiben zugesehen.

Noch ein Blick auf altes Gehölz.

Danach ließen wir uns mit einem Taxi in das Stadtviertel Leblon bringen. Wir kauften uns Karten für eine Sambaschau und bummelten durch das gute Wohnviertel bis zum berühmten Strand von Ipanema. Immer am Strand entlang erkannten wir, das uns die Strecke zu lang wurde und setzen uns in einen Bus der uns bis zur Copacabana brachte. Wie sich das für Touristen gehört, setzen wir uns in ein Strandkaffee und schauten den Bikinischönheiten zu.

Da wir bis zu unserer Abendveranstaltung etwas Erholung brauchten, nutzten wir unseren hauseigenen Strand und genossen Agua de Coco, unsere Liegestühle und die Aussicht.

Lediglich Bernd war noch etwas unglücklich. Wir hatten ja keinen Strom und die Batterien der Fotoapparate waren leer. Doch im Militärclub hatte man ein Einsehen mit ihm und ließ ihn alle Batterien laden.

Zu gerne hätten wir eine Schau in der Cidade do Samba gesehen. Doch leider ist die immer nur Donnerstags und war schon für die nächsten 14 Tage ausgebucht. Zwar hatte Alfredo die Veranstaltung in der Plataforma I verächtlich als reine Touristenfalle abgetan, doch ganz ohne Sambaschau wollten wir Rio nicht verlassen. Also fuhren wir auf 20.00 Uhr zu unserem Dinner. Das war wider Erwarten ausgezeichnet und um 22.00 Uhr begann dann die Schau. Sicherlich war das ein Kontrastprogramm zu dem, was wir am Tag vorher am Strand erleben durften und eher eine Karnevalsveranstaltung als eine Sambaschau, doch uns hat es gefallen. Auffallend große und hübsche Tänzerinnen zeigten in farbenfrohen Kostümen ihr Können.

Auch eine Vorführung von Capoeira, der tänzerischen Kampfsportart der Sklaven durfte nicht fehlen.

Die Kostüme waren vom Feinsten.

Wenn auch Bernd mal wieder nur ein Auge für diese Damen hatte, doch wer kann es ihm verdenken?

Mir haben auch die Kostüme im Hintergrund mit den vielen Federn gefallen. Übrigens werden die im Karneval auch wirklich getragen und das bei dieser Hitze.

Auf der Rückfahrt zum Stellplatz fuhr das Taxi noch einmal an den Ständen von Ipanema und Copacabana vorbei. Sie waren trotz der späten bzw. frühen Stunde noch mit Menschen belebt.

Wir beschlossen, dass dieser Abend ein gelungener Abschluss unsereres Rio Aufenthaltes war und am nächsten Tag weiter zu fahren.

Der Sonnenaufgang verhalf uns zu einem Abschiedsfoto von Rio.

Schon um kurz nach 7.00 Uhr waren wir startklar und konnten Rio verlassen. Unser Plan, noch einmal an der Copacabana und dem Impanemastrand vorbei zu fahren, vereitelte leider Rios Stadtverwaltung. Die sperren nämlich bis 10.00 Uhr diese Ausfahrstrassen und geben sie nur für die Einfahrt frei. So kann der Berufsverkehr in die Stadt besser fließen. Für uns bedeutete das ein wenig kreuz und quer fahren, doch irgendwann waren wir aus dem Zentrum raus. Überhaupt möchten wir mal eine Lanze brechen für die Autofahrer hier. Trotz des vielen Verkehrs fahren sie sehr zivilisiert und selbst Reisverschluss von 3 auf eine Spur klappt ohne Gedrängel und Gehupe. Wenn wir da an Lima denken!

Da Bernd eine andere Strecke für die Rückfahrt zur Costa Verde ausgesucht hatte, als damals nach Minas Gerais, umfuhren wir so auch die slumartigen Vororte und kamen diesmal durch gute Wohngegenden. Als wir Barra da Tijuca erreicht hatten, war das Schlimmste vorbei und so konnten wir entspannt die schöne Fahrt an der Costa Verde genießen. Die diesmal überraschend neue Ausblicke bot, da wir die Strecke ja nun in umgekehrter Richtung fuhren. Schon am späten Mittag waren wir in Paratí. Zwar ist immer noch Hochsaison, doch kein Vergleich mehr mit Weihnachten und Neujahr. Wir bekamen diesmal auf dem Campingplatz ein nettes Plätzchen, auf dem wir uns richtig ausbreiten konnten. Das war auch erforderlich, denn wir hatten allerlei zu organisieren und zu erledigen. Da wir ja schon Bilder von Paratí im Blog haben, wollen wir euch damit nicht weiter langweilen. Lediglich die Abenstimmung im Zentrum war uns noch einmal eine Aufnahme wert.

An einem besonderen Tag gab es ein besonderes Essen, zubereitet vom Chefkoch persönlich.

Wir blieben mehre Tage und mit Paratí verließen wir dann auch den Bundesstaat Rio de Janeiro und die Tropen. An den Temperaturen konnten wir das allerdings nicht merken, es wollte einfach nicht kühler werden. Jetzt beginnt hier überall der Karneval.

Samstag, 30. Januar 2010

Zu Besuch bei Freunden in Bahia

Mercilene und Jeronymo ( die beiden Wohnmobilfahrer, die wir in Peru und Bolivien trafen) hatten uns auf ihre Fazenda in der Nähe von Porto Seguro/Bahia eingeladen und da Bahia sowieso ein Ziel von uns war, wollten wir bei dieser Gelegenheit einmal das Leben auf einer Fazenda kennenlernen. Doch bis dahin galt es noch sehr, sehr viele Kilometer zu fahren. Zunächst also mussten wir die ganze Strecke zurück bis Guanhães bewältigen. Dann weiter auf wieder erträglicherer Straße bis Gov. Valdaras und Teófilo Otoni. Trotz fast unerträglicher Hitze im WoMo war Bernd nicht mehr zu bremsen und wollte noch weitere Kilometer schaffen. So kam es wie es kommen musste, kaum auf der BR 418 gab es außer schöner Landschaft nichts mehr. Weder Autoverkehr, noch Orte, geschweige denn geeignete Übernachtungsplätze für uns. Selbst die schönen Berge hatten weder in unserem Reiseführer noch in der Landkarte Namen für uns. Dabei wären sie in jedem anderen Land bestimmt Heiligtümer der Ureinwohner gewesen.

Endlich eine Tankstelle ! Allerdings schließt die um 22.00 Uhr. Was sollten wir machen, bald wird es dunkel? Wir beschlossen in den sauren Apfel zu beißen und da zu bleiben. Was sollte uns hier in der Einsamkeit schon passieren? Ein Polizeiauto kam und die Polizisten fanden unsere Idee gar nicht gut. Man wüsste nie, wer in der Nacht hier so alles vorbei kommt und auf welche Ideen er dann verfallen würde. Also mussten wir nochmals 30 Kilometer weiter und etwas abseits der Durchgangsstraße in den Ort Carlos Chagas zur Polizeistation fahren. Direkt neben der Station befand sich ein riesiger Omnibusparkplatz und dort sollten wir bleiben. Das war Premiere in Südamerika. Da erste Mal eine Übernachtung an einem Polizeiposten. Es war zwar schon stockdunkel, doch die Hitze wurde nicht weniger und so stellten wir unsere Stühle nach Draußen und bleiben die halbe Nacht da sitzen. 600 Kilometer hatten wir zurückgelegt, das war eine stramme Tagesleistung.

Auch der nächste Tag war nicht viel besser. Fahren war angesagt und bei Ibiranhém hatten wir endlich den Bundesstaat Bahia erreicht. Jetzt wurde es noch heißer und wir konnten gar nicht mehr so viel trinken wie wir gleich wieder ausschwitzten. Als wir die Atlantikküste und den Ferienort Alcobaça endlich erreichten, hatte unsere Körpertemperatur den Siedepunkt überschritten. Was gäben wir jetzt für eine Klimaanlage im WoMo.

Leider war der einzige Campingplatz im Ort trotz Hochsaison geschlossen, doch auf dem Parkplatz des Strandlokales Cata Vento fanden wir eine Heimat und Strom und Wasser dazu. Sofort begaben wir uns ans Meer in den Schatten und der Wind tat dann sein übriges dazu um aus uns wieder halbwegs normale Menschen zu machen. Hier blieben wir dann ein paar Tage.

Strandwanderungen, Muschelsuchen und Korallen fotografieren waren unsere liebsten Beschäftigungen.

Des weiteren Abendspaziergänge in den Ort und natürlich Sonnenuntergänge. Diesmal am Leuchtturm.

Sonntags war übrigens die Ruhe vorbei, da gab es am Stand nicht mal mehr Platz für ein Handtuch. Die brasilianischen Familien mit Großeltern, Kindern und sonstigen Verwandten bevölkerten jeden möglichen Winkel. Wir haben dieses Schauspiel von unseren bequemen Stühlen aus genossen.

Montags waren wir soweit erholt, das wir schon wieder zu neuen Taten schreiten wollten. Uns lockte der Parque National Marinho de Albrolhos. In diesem Teil des Atlantiks bekommen die Buckelwale ihre Jungen und laut Reiseführer sollten sie bis Dezember dort sein. Vielleicht hätten wir ja noch Glück und ein paar Nachzügler wären noch zu sehen. Also machten wir uns auf nach Caravelas, da von dort die Boote zum Nationalpark fahren. In Caravelas mussten wir wieder einmal erkennen, das sie irgendwie nicht auf Individualtouristen eingestellt sind. Keinerlei

Hinweise auf Infozentrum oder Bootstouranbieter. Lediglich das historische Zentrum war als solches gekennzeichnet und mehr heruntergekommen als historisch.

Zuerst suchten wir das Instituto Baleia Jubart auf. In dieser Forschungsstation sollten wir angeblich Informationen bekommen und es gebe einen Film über die Wale. Informationsmaterial null, aber immerhin nach längerem Suchen einen Mitarbeiter der Englisch sprach. Die Wale sind seit November weg, keine Chance mehr sie zu sehen. Beim DVD Player war die Fernbedienung nicht zu finden und so konnte die DVD nicht in Englisch abgespielt werden. Nachdem drei Mitarbeiter versuchten das Gerät zu programmieren, gaben sie auf und wir bekamen die DVD geschenkt, damit wir sie uns auf unserem eigenen Laptop ansehen können. Dann zeichnete uns der Mitarbeiter auf einem Blatt Papier einen groben Stadtplan auf, damit wir die Agentur für die Bootsfahrten (die Schnorcheltour wäre auch ohne Wale sehr schön) und das Informationszentrum finden können. Auf die Schnorcheltour verzichteten wir dann, sie war mit 100,-- Euro pro Person ohne Wale nicht mehr interessant für uns und bunte Fische haben wir ja in Bonaire mehr als genug gesehen. Doch wenigstens das Infocenter wollten wir noch besuchen. Konnten es aber trotz Zeichnung nicht finden, es gab keinerlei Hinweise wo es sein könnte. Kaum hielten wir am Straßenrand an, um uns die Zeichnung noch einmal genau anzusehen, stand schon ein Auto mit einer Familie aus São Paulo neben uns. Die Kinder der Familie waren stolz darauf in der Schule Englisch und Spanisch zu lernen und es an uns jetzt auszuprobieren. Tausend Fragen mussten beantwortet werden und eine WoMo Besichtigung war auch noch drin.

Die Familie suchten dann gemeinsam mit uns das Infocenter. Ein Haus ohne Namensbezeichnung mit Personal ohne Interesse. Erst nach mehrmaligem Nachhaken wurde uns die Tür zu einem Raum mit einer kümmerlichen Ausstellung geöffnet. Die unverschämte Nachfrage nach dem Film über das Schutzgebiet störte nun wirklich, doch unsere Begleiter blieben hartnäckig. Widerwillig wurde der DVD Player angeworfen und wir konnten einen Film in portugiesisch mit viel Gerede und wenig Bildern ansehen. Unsere Begleiter entschuldigten sich vielmals bei uns, in São Paulo würde uns so etwas nicht passieren. Es gäbe noch viel zu tun in Brasilien. Gut dass sie das und nicht wir gesagt haben. Sie verabschieden sich wortreich von uns und machen sich dann auf den Weg zu ihrem Urlaubsziel. Sechs Tage waren sie nun schon unterwegs um von São Paulo nach Natal zu kommen und fanden noch die Zeit sich um ein paar Ausländer zu kümmern. Das ist wieder mal ein super Beispiel wie hilfreich und freundlich die Brasilianer sind.

Wir fuhren zurück zu unserem schönen Stellplatz in Alcobaça und sahen uns dann am Abend anstelle in freier Natur die Wale im wirklich netten Film an und da es uns schon wieder viel zu heiß war, beschlossen wir dann auch gleich noch weitere 2 Tage hier zu bleiben.

Zwischenzeitlich hatten wir mehrmals E-Mail Kontakt zu Mercilene und wir wurden nun langsam auf der Fazenda erwartet. Also ging es mal wieder auf die Straße, diesmal Richtung Porto Seguro. Über Prado und Itamraju (wieder mit eigentümlichen Felsforamtionen)

erreichten wir Eunápolis und dann Arraial d´Ajuda, den Ort wo wir uns mit Mercilene treffen sollten, da diese befürchtete wir könnten die Fazenda alleine nicht finden. Gegen 17.00 Uhr traten wir dann gemeinsam die Fahrt zur Fazenda an (Mercdilene fuhr im Auto voraus). 50 Kilometer Fahrt lagen nun vor uns. Zunächst noch 20 Kilometer auf Asphalt, dann vor Trancoso in einem Kreisverkehr durch ein Viehgatter auf eine üble Piste. Hier gab es nur noch Landschaft, Kühe und irrsinnigen Verkehr. Mercilene hatte uns schon vorgewarnt. Die Leute fahren hier zum Strand und kommen um diese Uhrzeit zurück und das mit einem Affenzahn. Staubwolken vernebelten uns die Sicht und unser Innenraum glich langsam einer Wüstenlandschaft. Zunächst gab es noch ein paar Zufahrten zu Fazendas zu sehen. Hier eine besonders auffallende.

Die Piste wurde immer schlechter und ging oft steil berauf oder bergab. Behelfsmäßige Brücken waren zu überqueren. Dann Alarm vom Reifendruckgerät, Plattfuß. In Itapuranga, einem Indianerdorf gab es eine Borracharia, doch weder Werkzeug noch Licht (zwischenzeitlich war es ja stockdunkel). Bernd konnt mit allem behilflich sein und als der Reifen runter war, war es wieder mal ein Ventil. Doch hier konnte es niemand wechseln und so musste der Ersatzreifen aufgezogen werden. Die letzten 9 Kilometer tasteten wir uns quasi nur noch vorwärts. Nicht mehr das Geringste war von der Strecke bzw. der Umgebung zu erkennen. Wir waren nur noch froh endlich angekommen zu sein. Doch zunächst machten wir noch Halt bei Konstancia und Jeronymo sen., den Eltern von Jeronymo. Hier gaben wir unseren Reifen ab, sie würden ihn zur Reparatur nach Eunópolis ( 70 Kilometer) bringen. Im Wohnhaus von Mercilene und Jeronymo gab es dann ein verspätetes Abendessen und eine Dusche. Eines der angebotenen Gästezimmer lehnten wir ab, wir fühlen uns eben am wohlsten in Burro. Da unsere Gastgeber um 4.00 Uhr morgens aufstehen müssen, gingen wir bald darauf schlafen nicht ohne gewarnt worden zu sein, das WoMo nicht mehr zu verlassen, denn ab jetzt passen zwei große Hunde (Schäferhund und Rottweiler/Dobermann-Mischung ) auf alles auf.

Als wir um 8.00 Uhr wach werden, hat Jeronymo sein Tagewerk schon hinter sich und wir frühstücken gemeinsam. Dann erst sehen wir uns richtig um und bewundern das große Haus.

Bernd stellt Burro unter einen großen Baum mit viel Schatten und kleinen, sehr harten Früchten, die uns ab und an lautstark bombardieren.

Jetzt möchte Jeronymo uns seine Fazenda zeigen. Das sind gerade mal schlappe 2.000 Hektar. Wir schnappen nach Luft und versuchen uns irgendwie diese Größe räumlich vorzustellen. In Gedanken ziehen wir einen Kreis um unsere Verbandsgemeinde und überlegen, wie viel Menschen bei uns in Deutschland auf so einer Fläche wohnen. Jeronymo versichert uns, dass die Größe der Fazenda mittelmäßig ist. Es gibt hier noch einige um ein vielfaches größere Fazendas.

Was braucht der moderne Fazendabesitzer um sein Land zu kontrollieren? Ein Pferd, einen Jeep? Nein, er hat ein Kleinflugzeug und eine Start- und Landebahn direkt neben dem Haus. Da er nur einen Passagier mitnehmen kann, lasse ich Bernd vorsichtshalber mal den Vortritt. Einer muss ja überleben. Bernd kommt heil wieder und schwärmt wie schön es war, also muss ich auch mit, ob ich will oder nicht. Doch da ich Jeronymo kenne und weiß, dass er im Umgang mit seinen Maschinen sehr gewissenhaft und korrekt ist lasse ich mir den Flug dann doch nicht entgehen.

Aus der Luft erkennt man sehr genau die verschiedenen wirtschaftlichen Standbeine der Fazenda. Hier eine Papayaplantage. Wir erfahren, dass die Bäume 1 Jahr wachsen, 2 Jahre Ertrag bringen und dann wieder gefällt werden. Danach können für 5 Jahre hier keine Papayas mehr angepflanzt werden. Dann wachsen hier Eukalyptusbäume, die entweder Papierholz oder Bauholz werden.

Was für uns zunächst aussieht wie Weinreben entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Maracuja-Anpflanzung. Die zweite Obstsorte die hier angebaut und vermarktet wird.

Doch Haupterwerb sind natürlich die Rinder. Wobei der größere Teil ca.1.900 Fleischrinder sind, jedoch gibt es auch noch 150 Milchkühe. Natürlich auch Pferde, Mulis, Schweine und Hühner, die jedoch nur für den persönlichen Gebrauch.

Dann fliegen wir auf die Küste zu. Kokosnussplantagen so weit das Auge reicht. Agua de Coco (das Wasser der grünen Kokosnuss) ist ein sehr beliebtes Getränk in Brasilien und gerade gestern hat Jeronymo 6.000 Kokosnüsse verkauft, die schon im LKW auf dem Weg nach São Paulo sind.

An diesem Küstenabschnitt wohnen die superreichen Brasiliens. Firmenchefs, berühmte Fussballstars und was sonst noch so Geld und Namen hat. Alles ist Privatland und die Strände nur noch mit Boot oder Flugzeug zu erreichen. Gut, dass wir gerade mal ein Flugzeug dabei haben und so macht Jeronymo eine kleine Zwischenlandung am menschenleeren Strand.

Nach kurzem Aufenthalt erheben wir uns wieder in die Lüfte und schweben zum Wohnhaus zurück. Wegen ein paar heftigen Windboeen schwebt auch mein Magen in Höhen die nicht gut für ihn sind und nach der Landung ist mir noch eine ganze Weile schlecht. Trotzdem bereue ich nicht mitgeflogen zu sein.

Inwischen hat die Köchin Zaza das Mittagessen gerichtet und der Tisch ist für uns gedeckt (wie viele Leute kommen noch?).

Am Nachmittag hat Jeronymo Geschäfte zu erledigen und Mercilene fährt mit uns zu einem Badestrand. Dazu geht es auf verschlungenen Feldwegen 15 Kilometer durch die Landschaft. Wir gelangen zum Rio Caraíva, wo wir mit einem Boot übersetzen müssen.

Auf der anderen Seite haben wir den winzigen Ort Caraíva erreicht. Er war erst ein Indianerdorf, denn haben sich Fischer hier niedergelassen und heute ist er fest in der Hand der Touristen.

Da Caraíva auf einer schmalen Halbinsel liegt, gibt es keinen Autoverkehr und auch keine richtigen Straßen. Die sogenannte Hauptstraße ist eine Sandpiste, gesäumt von winzigen Hostels, Andenkenläden und Gaststätten.

Kommt hier überhaupt einer her? Der Ort ist abgelegen und für Fremde kaum zu finden. Am ehesten könnten wir uns hier eine Hippykolonie vorstellen. Doch kaum am Strand angelangt werden wir eines Besseren belehrt. Eine Vielzahl von Touristen ist versammelt. Der Fluss fließt, erstaunlicherweise immer noch klar und sauber, hier ins Meer und ist somit ein idealer Badepaltz für Jung und Alt. Hier hat man die Wahl, baden im Salzwasser oder im Fusswasser. Was will man mehr?

Wieder auf der Fazenda findet sich am Abend die Großfamilie und außerdem noch weitere Freunde ein. Mercilene übersetz so gut es eben geht ins Spanische und so klappt es mit der Verständigung mehr schlecht als recht und trotzdem haben wir viel zu lachen. Zum Beispiel können sich die Brasilianer überhaupt nicht vorstellen, dass man nicht fast jeden Tag mit Vater, Mutter, Geschwistern, Onkeln und Tanten zusammen ist. Ein Fest ist immer ein Familienfest und schon die Anzahl der Angehörigen reicht aus um einen Saal zu füllen. So wird auch gleich an diesem Abend beschlossen, morgen einem gemeinsamen Grillmittag am Meer zu verbringen. Ach ja, unser Reifen ist zwischenzeitlich auch aus Eunápolis repariert zurück.

Direkt nach dem Frühstück werden die Autos gepackt. Zaza hatte gestern eine Menge Arbeit um alles vorzubereiten. Dann geht es wieder auf Feldwegen über Stock und Stein und ohne irgendeinen Richtungshinweis bis zu einem Gatter. Hier steht ein winziges Häuschen und der Bewohner (er ist einzig und alleine der Türwächter) öffnet uns das Tor. Wir sind auf Privatland. Jeronymo kennt den Besitzer und darf mit seiner ganzen Sippschaft hier ans Meer fahren. Das muss man sich vorstellen: Es ist Sonntag, wir sind in Bahia und haben einen Strand fast ganz für uns alleine. Lediglich ein paar Kinder der Landarbeiter des Grundbesitzers sind außer uns noch da. Wieder fließt ein kleiner, sauberer Fluss durch die Mangroven und bildet ein warmes Plantschbecken.

Nachdem wir uns ein wenig erfrischt haben, machen Bernd und ich eine Strandwanderung. Die Männer der Familie richten derweil den Grill (Loch im Sand, Gitter drauf, fertig). Immer wieder finden wir hübsche Stellen zum Baden

und so ganz nebenbei auch unser Haus mit Traumlage. Übrigens kosten die hier auch schon Millionen Euros. Erstens weil sich viele Europäer so eine Hütte leisten, zweitens weil da immer viel Land drum herum liegt und drittens weil man jede Menge Arbeiter braucht. Vom Landarbeiter bis zum bewaffneten Wachdienst. Also irgendwie müssten wir dann ja auch jeden Urlaub hier verbringen, wäre doch auf Dauer blöd oder?

Als wir zurück kommen ist Jeronymo schon unruhig. Wir waren lange weg und er hatte Sorge uns wäre etwas passiert, außerdem ist das Essen fertig.

Nachdem sie uns mal wieder abgefüttert haben, können wir nur noch liegend den Rest des Nachmittgs verbringen.

Gegen 16.00 Uhr ist allgemeiner Aufbruch. Wir fahren zurück um uns frisch zu machen und dann alle zu Konstancia zum Abendessen zu gehen. Haben wir nicht eben erst gegessen? Wenn das so weiter geht!

Mercilene hat morgen um 8.00 Uhr einen Termin zur Physiotherapie in Arraial d´Ajuda und wir wollen die Gelegenheit nutzen, uns den Ort einmal anzusehen. Im übrigen, das muss man sich mal vorstellen. Wegen einer Physiotherapie 50 Kilometer Anfahrt und das dauert wegen der Piste 1 ½ Stunden. Für hier ist das aber alles ganz normal.

Schon um 6.30 Uhr müssen wir losfahren. Pünktlich sind wir in Arraial d´Ajuda und entlassen Mercilene zu ihrem Termin. Gegen 11.00 Uhr wollen wir uns wieder treffen. Viel zu sehen gibt es hier nicht. Zuerst schauen wir uns den Hauptplatz mit der kleine Kirche an.

Ein paar schöne Gärten und Fassaden gibt es zu sehen.

Dann kommt der rein touristische Teil. Teure Hotels, teure Läden, teure Restaurants. Arraial lebt voll und ganz vom Tourismus, da es hier ein paar sehr schöne Strände gibt. Wir ersparen uns den Weg zum Strand, Strände haben wir rund um die Fazenda schönere und vor allem einsamere.

Wir sind schneller als erwartet mit dem Ort durch und dann kommt auch noch ein Gewitter, dass sich gewaschen hat. Weil es aber so lange nicht geregnet hat, ist hier jeder froh um das Wasser, nur wir nicht. Bei der Rückfahrt zur Fazenda können wir sehen, wie der ohnehin schon schlechte Weg zur reglerechten Falle wird. An den Steigungen kommen selbst die allradgetriebenen Fahrzeuge ins Schlingern. Hänge fangen an zu rutschen und wir denken nur noch, wie kommen wir hier wieder raus? Mercilene meint nur, da bleibt ihr eben so lange bis der Weg wieder befahrbar ist.

Doch noch am gleichen Tag scheint die Sonne wieder mit voller Kraft und das Wasser trocknet so schnell weg wie es gekommen ist. Es trifft noch weiterer Besuch ein. Ein älteres Paar aus Belo Horizonte, Geschäftspartner von Jeronymo werden ein paar Tage bleiben.

Morgen wollen Bernd und ich eine 10 Kilometer lange Wanderung an der Küste machen. Mercilene wollte ursprünglich mitgehen, doch sie kann den Besuch ja nicht alleine lassen. Uns ist das recht, wir brauchen mal eine Portugiesischpause.

Schon gegen 8.00 Uhr fährt uns Jeronymo zu einem Abzweig des Weges nach Caraíva. Er hat gestern 600 Rinder verkauft und das bedeutet in den nächsten 4 Tagen eine Menge Arbeit für ihn und seine Arbeiter. Die Rinder müssen eingefangen, zusammengetrieben und auf LKWs verladen werden. So hat er es an diesem Morgen ein wenig eilig. Er erklärt uns nochmals den Weg, immer am Meer entlang. Wir sollen vorsichtig sein, es wäre unterwegs sehr einsam. Auf dem schmalen Fußweg

erreichen wir den Rio Caraívo, den wir diesmal nicht überqueren müssen, sondern wir gehen links an der Mündung vorbei.

Noch ist das Ufer menschenleer.

Doch schon bald sehen wir am anderen Ufer ein Boot mit Wanderern übersetzen und kurz darauf kommt noch einmal 5 Personen. So einsam werden wir also nicht unterwegs sein, wie Mercilene und Jeronymo befürchtet hatten.

Es ist herrlich hier. Zwar glüht schon wieder die Sonne, doch immer mal wieder gehen wir zur Erfrischung ins Meer oder baden in den Lagunen am Wegesrand. Das Wasser ist wunderbar warm und sauber. Ab und an kommen wir an einem Privateingang vorbei. Hier mit gepolsterten Liegestühlen am Strand und Kanus in der Lagune. Natürlich fehlt nicht der Hinweis auf Privatbesitz und scharfen Hund.

Nach einer kurzen Rast an einem Stand mit Agua de Coco wird es ernst. Wir müssen den Strand verlassen, da eine Klippe im Wege ist und auf eine Anhöhe steigen. Das ist in der Hitze sehr anstrengend und außerdem haben sich mittlerweile die Wanderer verteilt. Die meisten liegen schon faul im Sand, nur wir sind tapfer auf unserem Weg.

Ein ganzes Stück gehen wir durch das Gelände und hoffen immer noch auf dem rechten Pfad zu sein. Es gibt zwar eine Beschilderung, doch die ist teilweise verrottet und liegt sinnigerweise auf der Erde. Jetzt wird es tatsächlich etwas unheimlich hier. Doch der erste Mensch der uns begegnet bestätigt uns, wir sind auf dem richtigen Weg. Nach insgesamt 3 Stunden Wanderung geht es wieder runter ans Meer, doch so recht wissen wir nicht ob wir nun in Espello sind oder nicht. Hier will uns die Familie wieder aufpicken, doch noch ist Niemand zu sehen. Wir sehen mehrer Schildkröten im Meer paddeln und sind so eine Weile abgelenkt. Da kommt uns auch schon Mercilene entgegen. Wir müssen noch ein gutes Stück gehen, bis wir den Rest der Familie treffen. Da werden wir mit Wasser und einem Imbis versorgt.

Dann ist Erholung im Wasser angesagt.

Für so eine lange Strandwanderung hat Frau sich doch eine Belohnung verdient oder nicht? Außerdem von was sollen die Indianer hier leben, wenn nicht von den Touristen?

Heute sind wir mutig und probieren bei dem Verkäufer gebratenen Käse. In dem kleinen Eimer ist glühende Holzkohle. Der Käse steckt auf einem Stiel, wird gegrillt und schmeckt vorzüglich.

Wir wundern uns schon, dass es kein Fleisch zu essen gibt. Außerdem fehlen irgendwie die Männer. Jeronymo hat Arbeit, das wissen wir ja, aber wo sind denn all die Anderen? Wir packen zusammen, verteilen uns auf zwei Pick Ups (Bernd und ich dürfen innen sitzen, der Rest auf den Ladeflächen) und ab geht es zum Haus von Konstancia und dort sind auch die Männer. Während der Tisch fürs Mittagessen gerichtet wird, nehmen wir noch ein schnelles Bad in der Gemeinschaftswanne. Hatten wir heute ja noch nicht Wasser genug.

Kaum bin ich wieder aus der Wanne, tut es einen lauten Knall, eine Seitenwand platzt heraus und alles Wasser ist im Nu weg.

Gut das ich draußen war, sonst hätte man bestimmt mir die Schuld gegeben. Doch auch die harten Früchte über der Wanne könnes es nicht gewesen sein.

Das alles läßt aber die Laune nicht sinken und so geht man eben zum Mittagessen über. Wieder mal sind wir erstaunt, wie man so unkompliziert, mittlerweile immerhin 17 Leute abfüttern kann.

Einen Schatten gibt es dann doch noch, die Männer sind bereit für die Jagt. Hunde werden auf die Ladeflächen gesetzt, Netze bereit gelegt und die Gewehre aus dem Haus geholt. Es sollen Carpivaras und Rebhühner gejagt werden. Ausgerechnet meine geliebten Carpivaras. Nicht nur, dass die Landarbeiter die Jacarés, Affen, Papageyen und Sittiche jagen und verspeisen (Die stehen zwar teilweise unter Schutz, aber wen interessiert das hier schon?), jetzt müssen auch noch die Carpivaras daran glauben. Beim Abendessen erkundige ich mich vorsichtig nach dem Jagderfolg. Sie haben kein Glück gehabt, nicht ein Tier konnten sie erledigen. So ein Pech aber auch!!

Damit wir hier keine Wurzeln schlagen, beschließen wir endgültig weiter zu ziehen. Mercilene will uns zwar noch mit einem besonderen Essen, das Zaza heute für uns zubereiten soll ködern, doch noch wenigstens einen Tag zu bleiben, doch unser Entschluss steht fest, wir fahren heute und außerdem platzen wir vor lauter Esserei schon fast aus allen Nähten.

Es war eine schöne Zeit hier und wir sind Mercilene, Jeronymo und den anderen Familienmitgliedern sehr dankbar dafür, dass wir an ihrem Leben teilhaben durften. Es wird sicherlich eine bleibende und schöne Erinnerung für uns sein. Jedoch sind wir auf einer Reise und wollen noch einiges mehr von Brasilien sehen. Mercilene meint wir wären Vagabunden und ein wenig Recht hat sie schon damit.

Die Piste ist wieder staubtrocken und Burro und sein Fahrer schaffen spielend den schwierigen Part bis zur Asphaltstrasse. Wir müssen zurück bis Eunápolis um dann wieder auf der BR 101 weiter zu fahren. Autofahrer geben uns unterwegs Zeichen, die wir aber nicht so recht deuten können und so fahren wir weiter bis zum Parque Nacional do Monte Pascoal. Auf dem Parkplatz stellen wir fest, dass wir mal wieder einen Plattfuß haben. Ausgerechnet an dem Reifen, an dem der Drucksensor kaputtgegangen ist. Doch zuerst steht mal der Park auf dem Programm. Es gibt hier allerdings nur zwei Möglichkeiten: Mit einem Führer auf den Berg, dass ist sehr anstrengend und dauert Stunden oder einen 700 Meter langen Pfad durch Urwald. Doch was werden wir wohl auf 700 Metern sehen. Zwar soll es hier sehr seltene Tierarten geben, doch da wir nicht im Park bleiben dürfen und ohne Führer sowieso nicht, wird das wohl nichts werden mit der Beobachtung von Tieren zumal die Strecke auch noch im Auto zurückgelegt werden soll. Wegen des Plattfußes fahren wir nur ein kurzes Stück in den Park und bitten dann unseren Führer mit uns zu fuß zu gehen. Er ist auch damit einverstanden. Die Verständigung ist leider recht schleppend, doch der junge Indigo gibt sich alle Mühe mit Zeichensprache.

Wir sehen Bäume mit riesigen Wurzeln,

große Spinnen

und interessante Pflanzen.

Jedoch leider kein Tier und die Vögel können wir auch nur hören und nicht sehen. Die Bäume und ihre Wurzeln sind zwar sehenswert,jedoch unsere Leidenschaft ist nun mal die Tierwelt.

Also verlassen wir schnell den Park und kümmern uns um unseren Reifen. Es ist schon wieder ein Ventil hin. So langsam müssten sie alle ersetzt sein, ich habe mittlerweile den Überblick verloren. Danach fahren wir noch einige Kilometer, bis wir kurz nach Teixeira de Freitas eine gute Tankstelle entdecken und für heute Schluss machen.

Am nächsten Tag ist wieder nur fahren angesagt. Wir kommen durch den Bundesstaat Espirto Santo. Hier soll es 500 Kilometer Küste geben. Doch wir wollen unsere Zeit nicht weiter an Ständen verplempern. So fahren wir quasi nur durch diesen Bundesstaat hindurch und übernachten schon im Dunkeln an einer x-beliebigen, sehr tristen und schmutzigen Tankstelle kurz hinter Campos dos Goitacazes, schon im Bundesstaat Rio de Janeiro. Zwar hatte uns Mercilen geraten, an einer Tankstelle mit Flecha Hotel zu übernachten, doch leider konnten wir diese in der Dunkelheit nicht mehr erreichen.